Sonntagsfrage
Hobby: Zugucken
Nichts ist künstlicher als ein Dokumentarfilm. Fragt mich jetzt nicht wer das gesagt hat, aber da gibts bestimmt bald ne Dokumentation auf arte, die diesem Zitat nachgehen wird. Nojo.
Diese Woche dreht es sich also um Dokumentarfilme. Ja gut, daß ist etwas schwieriger, weil da einem selten spontan was einfällt, aber vielleicht nimmt sich doch der ein oder andere doch etwas Zeit um uns die Dokumentarfilme zu nennen, die ihm gefallen, oder sogar beeindruckt haben. Es ist übrigens völlig unerheblich, ob der Film im Kino oder nur im Fernsehen gelaufen ist. Da werde ich diesem überhaupt nicht wählerisch sein.
Achja, wer einen Dokumentarfilm über depressive Musik aufbieten kann, gewinnt einen Gummipunkt. Und nein, trotz des realen Hintergrunds ist Gloomy Sunday kein Dokumentarfilm!
Schönes Thema.
Ich möchte nicht einfallslos wirken, denn ich gucke wirklich viele Dokumentationen.
Die fuer mich mit großem Abstand bewegendste ist aber ohne Zweifel 11. September – Die letzten Stunden im World Trade Center der Gebrueder Naudet, welche eigentlich eine Langzeitdoku ueber die Abenteuer eines Jungfeuerwehrmannes des NYFD FDNY produzierten und mitten in die Katastrophe hineingeraten sind.
· KaiK um 22:54 Uhr am 19.08.2006
Eine sehr beeindruckende Doku hat KaiK schon genannt.
Darüber hinaus merke ich gerade, dass ich zwar zuerst dachte, ja, da gibt es Dutzende von Dokus, die mitreißend, berührend und interessant waren und die ich empfehlen möchte, aber jetzt fallen mir die Namen nicht dazu ein. Ich habe zig Bilder und Szenen im Kopf, kann mich an Momente erinnern, die ich nie wieder vergessen wollte … Schuhe, Wege, Arbeiter und mehr in New York; Baustellen an den entlegensten Punkten der Erde; Fahrten und Touren von Nirgendwo nach Unbekannt; Musik, Konzerte und Songs; Arte mit seinen Themenabenden; Sex, Erotik und Romantik; … nur die Titel sind meist nicht hängen geblieben.
Ein paar konnte ich mir doch abtrotzen, auch wenn es eben nicht zwingend die Top 10 sind.
Ich war das perfekte Kind von Heidi und Bernd Umbreit
Über ein Straßenkind, das die Straße dem Wohlstand ihrer Eltern vorzieht. Über ihr Leben, ihre Suche, ihr Umfeld – die Straße und die Eltern. Eine typische Doku der ÖR, nicht die weite Welt mit ihren großen Dramen, sondern irgendwo in Deutschland die Kleinigkeiten neben uns, die oft – nicht immer – interessant dokumentiert werden. Stellvertretend genannt für weitere sehenswerte Dokus wie “Die Kinder sind tot”, “Als Truckerin durch die USA”, “Für Geld tue ich alles”, “Ballsaison – Frauen, Fußball, Wacker München”, “Allein mit Papa”, “Von Trabis, Wölfen und Japanern”.
Warship – Die schwimmende Supermacht von Anthony Makin
Makin beobachtet einzelne Crewmitglieder eines Flugzeugträgers, der USS Abraham Lincoln, kurz vor Beginn des letzten Irakkriegs. Fast unaufdringlich zu Beginn entwickelt sich mit der Zeit eine faszinierende emotionale Mixtur aus hartem Schiffsalltag, Einsamkeit, Trennung von der Familie und den Ängsten, Fragen und der Wut vor dem Hintergrund von Terror und drohendem Krieg. Eine der Beobachteten war eine junge Mechanikerin, deren Mann auf einem anderen Schiff diente und deren kleiner Sohn zu Hause wartete. Aus zusammengeschnittenen Momentaufnahmen dieser Frau entstand später ein beeindruckendes, trauriges und depressives Video der Gruppe Blur Out of time. YouTube hilft weiter.
Missing Allen – Wo ist Allen Ross? von Christian Bauer
Bauer selbst sucht nach seinem verschwundenen Freund Allen Ross. Die Recherche und das Ergebnis sind diese Doku. Am Ende schwer zu verdauen und keine der üblichen Dokus.
· DenKa um 14:03 Uhr
Das Thema RAF ist mangels Alter und falscher Zone etwas an mir vorbeigegangen und ich habe mir auch nie die Mühe gemacht mich weiter in die Materie einzuarbeiten. Insoweit kam mir diese Doku sehr gelegen und sie hat mir nicht nur geholfen diesen weißen Fleck zu reduzieren, sondern sie ist darüber hinaus auch sehr spannend umgesetzt.
Être et avoir (Sein und Haben)
Eine französische Dokumentation über einen Dorflehrer und seine mehrgliedrige Schule. Er betreut Kinder der Altersstufen vier bis elf Jahre und nimmt sich die Mühe auf jedes gesondert einzugehen. Eine wunderbar emotionale Dokumentation die teilhaben läßt, aber nie exponiert.
Sieben Herren sitzten vor schwarzer Leinwand und erzählen aus ihrem Leben. Nein, daß ist kein weiterer Beitrag zur Knoppiade, sondern einfach nur Leben. Sehr vielfältiges Leben. Der älteste ist 1929 geboren, der jüngste 1945, da kann die Zeit gar nicht anders, als sehr verschiedene Lebensläufe auszuprägen. Und so ist nicht nur die große Familie faszinierend, sondern eben auch die jeweiligen alleinigen Lebenswege
Byambasuren Davaas (ich kanns zwar immer noch nicht aussprechen, aber immerhin schon kopieren) zweite Dokumentation nach der Geschichte vom weinenden Kamel. Diesmal wird die namensgebende monoglische Fabel als Hintergrund genommen, um einen kleinen Spannungsbogen im Alltagsleben einer mongolischen Familie zu bieten. Es ist zwar keine astreine Dokumentation mehr, da es durchaus dramaturgisch inszienierte Momente gibt, aber nichtsdestotrotz ein wunderbarer Einblick, in eine völlig andere Lebensweise.
· CoBi um 14:23 Uhr
Madeleine – Protokoll einer Genesung
Durch einen Unfall wird das Gesicht einer jungen Schweizer Schauspielerin entstellt. Die Dokumentation erzählt über mehrere Jahre hinweg von ihrer langsam Genesung, wie sie langsam “ihr” Gesicht zurückerhält, wie sie emotionale Höhen wie Tiefen durchläuft. Kein Off-Kommentar von Regisseur und Kameramann Thaddäus Zech, nur Madeleine, wie sie und ihr Gesicht erzählen. Wahnsinnig beeindruckend.
Die Spielwütigen
Und noch eine Fast-Langzeitdoku: Vier Schauspielschüler, sehr unterschiedliche Charaktere von der Aufnahmeprüfung an der Ernst Busch Schauspielschule bis zum Abschluss. Ein weiterer Film von Andres Veiel (BlackBox BRD, der ja hier schon zurecht genannt wurde). Die Dokumentation nimmt sich Zeit und zeigt anhand der vier jungen Schauspieler, wie unterschiedlich Lebensentwürfe sein können, auch wenn man den gleichen Beruf gewählt hat.
Todesspiel
Ein Grenzfall sicher, da ein Dokuspiel. Doch Heinrich Breloer schafft es hier in 2x90min einen bewegenden Überblick über den Deustchen Herbst 1977 zu vermitteln, von der Schleyer-Entführung über Stammheim bis zur Entführung der Landshut. Hervorragend gespielte Szenen wechseln sich mit Archivmaterial ab. Jetzt schon ein TV-Klassiker.
· Zonix um 16:55 Uhr
Wirklich eine schöne Sonntagsfrage.
Die meisten Filme, die einem im Fernsehen als “Doku” verkauft werden, sind pure Zuschauerverdummung. Schwester schiebt Patient in den Schockraum; O-Ton: “Ich bring’ ihn in den Schockraum”. Off: “Schwester Aileen bringt das Unfallopfer zunächst in den Schockraum”.
Weil ich nicht nur eine Abneigung gegenüber geschwätzigen Dokus habe, sondern auch Krankenhäuser nicht leiden kann, hätte ich nie gedacht, daß ich ausgerechnet eine Krankenhausdoku mal lieben würde, aber diese hats mir wirklich angetan:
zeigt 90 Minuten Alltag in einem riesigen Nürnberger Klinikum. Keine Sensationslüsternheit, keine off-Kommentare. Nur unaufgeregte, dezente Bilder, und doch geschickt so komponiert mit wenigen O-Tönen, daß dem Zuschauer das Geschehen klar wird. Sowohl eher triviale Dinge wie der Arbeitsablauf in der Wäscherei als auch die Tätigkeit des Pathologen bei der Gewebeanalyse oder die Ärzte-Besprechung vor den CT-Bildern einer Tumorpatientin werden sehr verständlich vermittelt.
Stellenweise vermitteln die Bilder sogar eine gleichmütig-meditative Ästhetik, beispielsweise im Hochregallager der schon erwähnten Wäscherei oder bei Aufnahmen von Fahrten im unterirdischen Tunnelsystem zwischen den Gebäuden. Mehr als nur eine Doku, Filmkunst!
Lief neulich auf 3sat. Wird bestimmt wiederholt – unbedingt anschauen!
ist eine Fernsehdoku des NDR. Zeitzeugen berichten von dem Horror verschütteter, ausgebombter und in die Bunker hastender Menschen. Daneben zeigt der Film Originalaufnahmen aus der Zeit, die vorher kaum im Fernsehen zu sehen waren und die mir fast das Herz brechen. Denn sie dokumentieren eben auch, wie schön die Stadt vor der Katastrophe war.
Kennt wohl jeder zumindest dem Namen nach. Zwei Stunden Schinderei bei der Tour de France. Sehr interessant, wenn man gerne Radrennen schaut.
· Gorch um 19:51 Uhr
La Erupcion del Volcan San Helens
Bloeder Titel, gebe ich zu, aber den gabs halt nur in spanisch. Der Titel verraet es schon, im Film geht es um den Ausbruch von Mt. St.Helen im Mai 1980. Der spanische Kommentar verraet wahrscheinlich sowieso nur die bekannten Fakten aber die Bilder sind schon beeindruckend.
Verbotene Aufnahmen
Kam mal auf arte und ist eigentlich ziemlich schraeg. 8 ziemlich mysterioese Filme im wackeligen Handkameraamateurfilmstil die eigentlich ziemlich harmlos sind, aber aus denen der Kommentar ziemlich unheimliche Begegnungen macht. Natuerlich sind es Fakes, auch wenn in UFO- und Verschwoerungsboards heiss darueber diskutiert wird, trotzdem hat der Film einen ziemlich unheimlichen Eindruck hinterlassen (aehnlich wie DenKas “Missing Allen”).
Loose Change
Neben vielen Ereignissen wird es auch beim WTC-Desaster immer offene Fragen, Verschwoerungstheorien und unter Verschluss gehaltene Akten geben. Loose Change versucht, eine US-Verschwoerung hinter dem WTCD zu beweisen. Bei dem Thema ist der hohe Unterhaltungsfaktor ueberraschend. Im Gegensatz zu den oft lahmarschigen Moore-Filmen ist Loose Change technisch gut gemacht. Viele der angeblichen Beweise sind nicht nachvollziehbar, andere schon. Was wirklich geschah, darueber wird wohl jeder seine eigene, gefestigte Meinung haben, trotzdem kann ich Loose Change (zB bei youtube) empfehlen. Egal, ob man seine Ansicht nun bestaetigt sieht oder sich aufregt.
· nobbie um 20:56 Uhr
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