ohne pointe

das wohl patriotischste Blog aus dem Land der Kernspalter und Autobauer

Sonntagsfrage
Hobby: Musik post mortem

Okay, das mit dem morbiden September war jetzt eigentlich nicht so gedacht, daß über das Wochenende der ganze Server nicht erreichbar ist, aber ich lasse mir vom Tod nicht meinen Themenmonat zerstören! Hier werden gleich ganz andere Saiten aufgezogen!

Und zwar möchte ich heute von Euch wissen, welche Musik denn bitte zu Eure Beerdigung gespielt wird. Gut, der Holly Song von Holly Dolly wird etwas deplatziert wirken, aber es gibt ja genügend andere Sachen, mit denen man den Trauergästen entweder noch mal so richtig einen Schauer über den Rücken jagen kann, oder halt musikalisch den Finger zeigt. Oder gern beides.

Tja und wer da jetzt spontan nix weiß, sollte sich ruhig schon mal was überlegen. Denn am Ende bestimmt der Bestatter, wenn er nix Besseres weiß und der legt bestimmt Tina Turners “Simply The Best” auf. Und nein, daß will wohl niemand wirklich!

CoBi am 10.09.2006 um 11:09 Uhr

hm…ich fände “cemetery drive” von my chemical romance recht hübsch. auch passend vom thema her und so. vielleicht ein bisschen zu temperamentvoll. ;-)

gut gefallen würde mir auch von “breathe me” von sia oder “cold wind blowing” von the arcade fire.

aber generell bin ich viel zu abergläubisch, um zu so etwas zu posten. und morbid ist DIESER september so far auch nicht wirklich. strahlender sonnenschein in wien!

· Almi um 16:59 Uhr am 11.09.2006

Ganz klar: die Nationalhymne und “Stille Nacht, heilige Nacht”, nicht dass das gut passen wuerde, aber es haette schon was. Fies bis ueber den Tod hinaus, allen Beerdigunsteilnehmern zeitlebens ein Zucken ins Gesicht zu zaubern, wenn sie diese oder andere oft gespielte Lieder hoeren. Zu Peter Sellers Beerdigung wuerde uebrigens, von ihm vorher so festgelegt, aus dem selben Grund Glenn Millers “In the Mood” gespielt.

Sollte ich vor dem Tod doch noch menschenfreudlich werden, dann faende ich diese Pianoversion von Gloomy Sunday gut, sterbe ich jung (was quasi nicht mehr moeglich ist, aber vielleicht werde ich ja alt genug um Zeitreisen zu erleben) dann auch gern der “grosse schwarze Vogel” von Ludwig Hirsch. Oder Mahalia Jacksons “A City Called Heaven”. Sammy Davis jr mit “Mr. Bojangles” faellt mir noch ein und 80% aller Stuecke von Basil Poledouris. Btw Filmmusik: “The Rose” von Bette Midler.

Sollte ich wirklich demnaechst und in echt dahinscheiden, wuerde ich wohl Bachs “Air” bevorzugen, ok, ziemlich kitschig, aber olle Bach schafft es damit immer wieder, mich tief zu deprimieren. Eine aehnliche Wirkung hat auch Bob Dylans “Knocking..” auf mich, aber das ist sogar fuer mich zu kitschig und einfallslos.

· nobbie um 22:19 Uhr am 11.09.2006

Ich habe beim vermutlich dritten Anschauen der Rocky Horror Picture Show spontan dafür entschieden, daß man “I’m Going Home” auch auf Beerdigungen spielen sollte. Klar ist der Text kitischig, aber darum gehts doch auf Beerdigungen oder? Also um Abschiede für immer.

Gut, Frank ‘n Furter stirbt nicht wirklich, sondern ist ein Alien, daß die Erde verlassen muss, aber wer weiß. Vielleicht wißt ihr nicht alles über mich.

Die verkappte Hoffnung ist natürlich, daß sich der Musikabspielbeauftragte vertippt und dann die Trauergemeinde mit “Wild And Untamed Thing” oder gar “Sweet Transvestite” bespielt. Paßt dann vielleicht auch.

Tja, über mehr Titel habe ich mir bisher gar nicht so ernsthafte Gedanken gemacht. Was vermutlich immer gut kommt ist die “Suite From Forrest Gump” von Alan Silvestri aus dem gleichnamigen Film. Ein wunderbar emotionales Stück.

Hmm, das bringt mich auf die Idee, daß man ja auch den Weg zum Grab noch orchestrieren kann. Wir nehmen Angelo Badalamentis “Lauren’s Walking” aus “The Straight Story”. Hach, welch schöne Streicher und die Sargträger brechen nicht in Galopp aus. Ich muss da ja auch an meinen Rücken denken!

· CoBi um 22:40 Uhr am 11.09.2006

Wenn ich bis zu meinem hoffentlich noch fernen Tode griesgrämig und nachweltfeindlich geworden sein sollte, ließe ich in der Kirche einen Kanon intonieren. “Ruhet von des Tages Müh” (EKG 492) wäre ein heißer Kandidat dafür. Keiner weiß, wo er oder sie einsetzen soll. Alle sind verwirrt, also singen nur die, die es können.

Eine andere Möglichkeit wäre EKG 487, “Abend ward, bald kommt die Nacht”. Da steht im Gesangbuch ein Satz für drei Frauenstimmen. So bliebe einem (sofern sie lesen können) das Altherrengeknurre erspart.

Am Grab darf es dann etwas pathetischer werden mit “Amazing Grace” für Tenorhorn, Posaune, Baßposaune und Tuba.

Generell finde ich, daß Abendlieder für Trauerfeiern geeigneter sind als die klassischen Beerdigungsevergreens. Sie verbinden die Stimmung des Abschiednehmens und der Trauer mit Hoffnung: Die Aussicht auf den nächsten Tag als Metapher für das Hinwenden der Hinterbliebenen zum Leben und als Symbol für das nun anstehende ewige Leben des Verstorbenen.

· Gorch um 10:29 Uhr am 12.09.2006

Da sich das mit dem frühen Ableben nicht ergeben hat, mus meine Beerdigung mittlerweile gestreckt werden. Mindestens Messe, Totenwache, Leichenschmaus und Trauerzug nebst Begräbnis sind erforderlich, um meine gesammelten Musikwünsche noch angemessen getragen unter die Trauergemeinde bringen zu können.

Jill Tracy & The Scrubs Cast – Waiting for my real life to begin

Zugegeben, besser kommt der Song, wenn eine sirenengleiche Frau durch Bodennebel ums Grab wandelt und den Song a cappella haucht, aber vom Band geht’s auch, falls meine Verbliebenen knausern möchten.

Nina Hagen – My way, Ave Maria

So und nur so. Und nur für den Fall, dass ich da oben kreuzkonservativ gerichtet werde, noch schnell ein Ave Maria nachgeschoben. Vielleicht beseelt es jemanden und mir wird eine Pforte geöffnet.

Tim Curry – I’m going home

Ja, was soll’s. Ist ja nur der Song und nicht der Fummel.
Übrigens im kleinen Schwarzen bitte!

Die Ärzte – Schneller leben

Wann und wie auch immer es endete, der Song passt dann: zynisch, selbstironisch, mir ist jede Wirkung recht und egal.

Und ein paar zig mehr, die ich vorenthalte. Soll ja ‘ne Überraschung werden.

Als CDs zum Event gibt es dann noch die Reihe “Dead & Gone”. Falls meine Verbliebenen nicht … ach, was soll’s.

· DenKa um 18:23 Uhr am 12.09.2006

Radiohead – How to disappear completely

Klar soll sich noch jemand an mich erinnern – aber das ist einfach der Song mit Kloß-im-Hals-Garantie. So todtraurig, schaurig schön. Erst ruhig, dann dramatisch, gar endlose Moll-Akkorde, Misstöne und doch ein auflösendes, versöhnliches Finale. Ein ganzes Leben halt.

· Zonix um 21:23 Uhr am 12.09.2006

Was heisst denn hier Musik?

Wenn ich in Baelde dahinscheiden werde, dann moechte ich posthum durch eine Audiovideo-Retrospektive geehrt werden. Schoene Fotos meines Lebens, schwarz-weiss gezogen, ineinandergeblendet, mit Sound&Videoschnipseln.

Darunter darf dann Lara Fabian mit ihrer Selbstmordknoedelversion von Blacks “Wonderful Life” schnulzig traellern, dass allen nicht nur der Kloß im Halse stecken bleibt, sondern auf das sie ROTZ und WASSER heulen.

Und wenn das nicht reicht, muß Annie Lenox ran und der verschranzten, weil noch lebenden Trauergemeinde mit “Into the west” den traurigen Rest geben.

MEINE FRESSE, ICH BIN DANN TOT, DA SOLL DOCH BITTE DIE WELT STEHEN BLEIBEN, TRAUER TRAGEN UND TRÄNEN KOTZEN!!! Und nicht so tun, als waere nichts gewesen, als habe meine Existenz aber auch gar nichts bedeutet.

· KaiK um 21:34 Uhr am 13.09.2006

Was andere Blogs anzumerken haben:

[...] Eine sehr feine Umfrage habe ich in dem d’ohne pointe Blog gefunden. Und zwar geht es um die Frage welche Musik denn bitte zu Eure Beerdigung gespielt wird. Der Antworten gibt es gar viele und spannende. Offensichtlich machen sich viele der Blogleser bereits länger Zeit entsprechende Gedanken. Gut so!   [...]

· Musik post mortem « Schluss … mit allem ! um 18:33 Uhr am 12.09.2006 (Pingback)

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