Sonntagsfrage
Hobby: Filme sehen und sterben
Und weiter gehts mit dem morbiden September. Heute schauen wir mal in die ewige Röhre und widmen uns dem Tod im Film. Nein, ich will jetzt nicht Filme mit dem höchsten Bodycount aller Zeiten aufgezählt bekommen und auch keine Diskussion zum Thema Gewaltfilme anzetteln.
Mich würde einfach mal interessieren, welche Filme zum Thema finaler Abschied Euch bewegt oder zumindest nachhaltig beeindruckt haben, so daß sie Euch spontan zu dieser Frage einfallen. Wie immer sind drei Filme gewünscht und Erläuterungen werden dankbar angenommen.
Und danach könnte man vielleicht auch mal wieder auf dem Friedhof vorbeischauen. So als Ausflugstipp.
Entgegen meine Gewohnheit fange ich einfach mal an. Vor allem auch um der Gefahr zu entgehen, daß mir jemand andere meine Filme wegschnappt.
Sarah Polley spielt die junge Ann, der nach der Krebsdiagnose nicht mehr viel Zeit bleibt. Ihr Leben ist nicht unbedingt perfekt, doch was braucht man mehr als einen liebevollen Mann und eine Tochter?
Und so kann es Ann auch nicht übers Herz bringen ihre Liebsten und ihr Umfeld von ihrer Krankheit in Kentniss zu setzen. Stattdessen beginnt sie damit ihren Abscheid leise zu arrangieren und dafür zu sorgen, daß es auch ohne sie nicht nur weiter, sondern auch allen gut gehen wird.
Und all das, während sich alle an ihrer Schulter ausweinten und Ann mit
ihren Problemen belasten, die im Vergleich zu ihrem Todesurteiloft mehr als lächerlich sind.
Wilbur will nicht mehr Leben. Doch sein Bruder Harbour läßt das nicht zu. Sein Lebenszweck besteht darin seinen Bruder vom Selbstmord abzuhalten.
Nachdem beide den Buchladen ihres Vaters erben, tritt Alice in ihr Leben die dort Bücher von Patienten versetzt. Sie und Harbour verfallen einander und bald wohnt Alice mit ihrer Tochter bei ihnen.
Der Film wäre hier natürlich völlig fehl am Platze, wenn jetzt nicht noch etwas Tragödie ins Spiel käme. Und so erfährt Harbour in dieser Idylle von seinem eigenen Todesurteil. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit zu leben und wer soll sich dann um seinen Bruder und seine Ehefrau kümmern?
Und am Ende dann doch noch was schwarzhumoriges aus Deutschland. Der Plot sollte eigentlich bekannt sein:
Zwei dem Tode geweihte Patienten beschließen, daß sie vor ihrem Ableben noch mal das Meer sehen wollen. Dummerweise gehört das Auto, daß sie sich kurzerhand schnappen um diesen Wunsch Realität werden zu lassen, ein paar Gangstern, die den beiden nun auf den Fersen sind und etwas Leben in den Roadtripp bringen.
Das die Hauptrollen von Til Schweiger und Jan-Josef Liefers gespielt werden, haben die meisten wohl schon wieder verdrängt. Deutlich in Erinnerung dürfte allerdings Moritz Bleibtreus Abdul geblieben sein, der unerwartete Coolness in eine deutsche Produktion brachte.
· CoBi um 13:39 Uhr
-Luchino Viscontis Verfilmung der Thomas Mann Novelle Der Tod in Venedig
Es geht um Altern, Verfall und Tod, um das Sterben eines tief verunsicherten Menschen und den Zusammenbruch der Wertmaßstäbe einer degenerierten Gesellschaft. Als ich den Film mit ca.12 Jahren sah, wich mir die morbide Stimmung wochenlang nicht mehr von der Seite.
-Philadelphia
Im Erscheinungsjahr 1993 war das noch eine beeindruckende Darstellung und Auseinandersetzung mit dem Thema AIDS und Tod. Ich weß nicht, ob mich der Film heute noch so erreichen würde.
-Pulp Fiction
Viele Variationen von Tod. Kult.
· fishy um 14:54 Uhr
Generell alle Peckinpahs, aber wenn sich der alte Sheriff aus Pat Garret and Billy the Kid, der sich auf seine Rente und sein Boot gefreut hatte (ok, Klischee) nach dem Shootout mit Billy the Kid, in den ihn Pat Garret gedraengt hatte, sterbend zum See schleppt und aus der Ferne Dylans “Knockin’..” ertoent, dann schnuert es mir jedesmal wieder die Kehle zu. Wenn irgendjemand Leute richtig sterben laesst, dann ist es Peckinpah.
Der Klassiker schlechthin: Roy Batty, vom Replikantenjäger Deckart in Blade Runner endlich zur Strecke gebracht. Was der so alles gesehen hat…
Eigentlich ueberleben die Hauptdarsteller in Warriors, trotzdem hat mich kaum ein Film so beruehrt wie dieser. Ploetzlich finden sich britische Soldaten als Friedenstruppe mitten im irrsinnigen Krieg in Jugoslawien wieder, wo man Nachbarn, mit denen man jahrzehntelang friedlich zusammenlebte wegen deren Religion ausloescht. Zwischen den Fronten und den ganzen widersinnigen UNO-Befehlen erleben sie Genozid, Armut und Verzweiflung. Zurück in der Heimat können sie sich nur schwer wieder einleben, nach allem, was sie erlebt haben. Sie werden selbst zu Aussenseitern.
· nobbie um 15:08 Uhr
Habe ich schon ausreichend über mein schlechtes Gedächtnis gejammert, das mir immer wieder Antworten zu solchen Fragen versagt? Diffuse Erinnerungen, geahnte Filmtitel im Hinterkopf, alles erfrischend morbid und tödlich im Abgang. Den musst du im Gedächtnis behalten – und dann trollen sie sich doch wieder, diese elendigen Filmtitel. Genau wie Witze, Bücher, Menschen.
Jetzt der gar nicht klägliche Rest, der gerade durch mein Bewusstsein wabert:
Things to do in Denver when you’re dead
Buscemi ist Mister Shhh. Und es ist _kein_ Tarantino-Film. Mehr muss eigentlich niemand wissen.
Für mich gehört er in die Ecke Killing Zoe und The Big Lebowski. Cool, zynisch, absurd, brutal, träge. Langatmige Szenen, die zum Teil ins Surreale abdriften, werden von harten, gewalttätigen Momenten durchbrochen. Nie ohne sich selbst zu ernst zu nehmen, vor allem im Coolsein.
Andy Garcias Leben ist in Denver nach einem völlig vermurksten Gangsterstück nichts mehr wert. Nur kommt er einfach nicht fort, weil seine Kumpels um ihn herum es auch nicht schaffen und überhaupt, warum …
Und dann findet er in Denver auch noch einen Grund zum Leben.
Andy Garcia, Christopher Lloyd, Treat Williams, Gabrielle Anwar, William Forsythe, Christopher Walken (The Man with the Plan!) und Steve Buscemi – nicht die großen Stars, aber exakt die Leute, die es für so einen Film braucht. Garcias Abgang ist nicht der größte aller möglichen und dass er ihn überhaupt geht, ist schon verdammt idiotisch. Aber wie er ihn geht, das schafft einen sehenswerten Film.
Wer jemals einen Film nur aufgrund des Titels sehen wollte, dem sei dieser hier nahegelegt. Der Titel (eigentlich ein Songtitel von Warren Zevon) selbst verdient schon Lob, er ist einer der schönsten, die mir je untergekommen sind.
Bill soll sterben. Leider begleiten wir auf dem Weg dahin nicht ihn. Sonst hätte ich ihn hier unbedingt erwähnen wollen.
Nicolas Cage trinkt sich zu Tode. Keine Kompromisse, keine Ausreden. Allein in seiner Konsequenz ein bewegender Film.
Ghost Dog: The Way of the Samurai
Der kommt ganz unverhofft hier hin, denn das aktuelle Fernsehprogramm hat meinem Gedächtnis gerade auf die Sprünge geholfen. Wenn ich nur noch wüsste, wie genau der Film verläuft. Sicher ist (denke ich), der Samurai wählt am Ende sehenden Auges den Weg, der ihn in seinen eigenen Tod führen wird. Und es gibt viel Langsames, viel Stimmung und viel Nachdenkliches. Berührt hat er mich, obwohl ich auf das asiatische Gehüpfe anfangs wenig Lust hatte. Was es dann ja auch gar nicht war.
Eigentlich passt er nicht. Oder dann gerade doch. Wie auch immer, der Tod ist mit dabei, und der schöne Filmtitel kann auch noch was wettmachen.
· DenKa um 15:09 Uhr am 20.09.2006
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