FilmFestival Cottbus: Wettbewerb
A fost sau n-a fost?
12:08 East of Bucharest (Rumänien 2006) Deutsche Erstaufführung
“Gab es eine Revolution, oder gab es keine?”, dieser Frage will Virgil Jderescu in seiner Talkshow auf seinem kleinen lokalen Sender nachgehen. Es geht um die Geschehnisse am 22. Dezember 1989 als um 12:08 Uhr die Ceausescus via Hubschrauber aus Bucharest flüchteten. Was geschah hier in der Provinz an diesem Tag?
Als Zeitzeugen im Studio ist der Lehrer Manescu anwesend, den wir in den Stunden vor der Talkshow als hoffnungslos überschuldeten Trinker kennengelernt haben, und der einsame Pensionär Piscoci, der jahrelang den Weihnachtsmann für viele Familien gemimt hat.
Im Laufe der Talkshow werden dann schnell Zweifel an den Darstellungen Manescus laut, der mit anderen Kollegen revolutionär gewesen seien will. Nach und nach melden sich andere Zeitzeugen via Telefon und es vermittelt sich mehr und mehr der Eindruck, daß Manescu und seine Kollegen wieder mal eine Nacht durchgezecht hatten und einfach nur durch Zufall am Orte des Geschehens waren.
Piscoci hingegen ist sowieso etwas fehl am Platze. Ja, er war auch demonstrieren, aber erst nach dem bekannt war, daß die Ceausescus geflohen waren. “Jeder revolutioniert halt auf seine Weise”. Und während Manescu versucht seine Ehre gegen die Anrufer zu verteidigen, faltet Piscoci in bester DeFunes-Manier Papierschiffchen
oder schneidet einfach nur Grimassen. Eine gelungene Auflockerung der vielfachen Be- und Entschuldigungen.
Vor der Talkshow haben wir die Möglichkeit zu verfolgen wie die drei Protagonisten den Tag verbringen. Die Einsamkeit Piscocis, der Trunkenbold Manescu, der in einer Kneipe statt neben seiner Frau aufwacht und eben Jderescu, der irgendwie den Inhalt seiner Talkshow zusammenstellen muss.
Das es am Ende keine objektive Antwort auf die eingangs gestellt Frage gibt, sollte nicht überraschen. Inzwischen hat sich jeder seine eigene Realität der vergangenen Ereignisse geschaffen und die letzte Anruferin fragt zu Recht, ob die Antwort überhaupt noch relevant ist. Sollte man sich nicht lieber am Schnee erfreuen, der gerade auf die Stadt fällt?
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