ohne pointe

das wohl patriotischste Blog aus dem Land der Kernspalter und Autobauer

Archive for November, 2006

20. November 2006

Ammoniumbituminosulfonat

Ein Tipp unter Freunden: Haltet Euch fern von dem Zeug. Seit zwei Tagen stinke ich wie ein Straßenasphaltierer, weil ich mir schwarze Masse an den Hals schmiere, die -wie die Wikipedia zu berichten weiß- durch Destillation aus fischig-schwefeligem Ölschiefer gewonnen wird.

Und hier eine Bitte an mögliche Nachfolger dieses einen, postpubertären Pickels: Plaziert Euch nicht wieder so ungeschickt, daß Ihr jeden Morgen von der Rasierklinge überfahren werdet, um Euch anschließend beleidigt-entzündend einzugraben.

War ja fast überrascht, daß mein account hier noch aktiv ist.

Gorch um 01:55 Uhr

Sag einfach Bescheid, wenn Du hier keinen Zugang mehr haben willst.

· CoBi um 13:13 Uhr

Nene, ist schon recht. Ich bleibe gern noch ein bißchen.

· Gorch um 14:16 Uhr

19. November 2006

Хълмът на боровинките

Blaubeerenhügel (Bulgarien 2001) Deutsche Erstaufführung

Frank findet sich unvermittelt in einem bulgarischen Zug wieder, als sein Flug nach Istanbul in Sofia wegen Unwetters zwischenlanden muss. Und so wird er das Jahr 2000 wohl in irgendwo in der bulgarischen Provinz begrüßen.

Allerdings nicht im Zug. Denn als nach einer Notbremsung ein merkwürdiger Reisender mit seinem Mantel den Zug verläßt, eilt er ihm hinterher und stürzt nach einer Unachtsamkeit den Bahndamm hinunter. Während der Zug seine Reise fortsetzt, beginnt für Frank eine Odyssee der Absurditäten.

Digital in 4:3 gedreht braucht der Film eine Weile um seine Kammerspielathmosphäre zu verlieren. So können das Innere des Zuges oder die Hütte der bilfsbereiten Bulgaren anfänglich ihre Natur als Kulisse nicht abscchütteln. Das ändert sich dann aber drastisch, als ein Zug durch genau diese Hütte fährt.

Nicht nur Frank schaut verdutzt, als die Tische beiseite geräumt werden, die Bodenplatten von den Gleisen genommen werden und die großen Tore geöffnet werden, damit ein Fernzug seine Reise fortsetzen kann. Okay, ihrgendwas ist hier nicht so ganz normal und im Laufe seiner weitere Suche nach einem Telefon stolpert Frank von einer merkwürdigen Sitatuation in die nächste, während sich an Bord des Zuges Personal und Passagiere dem Alkohol hingeben, bevor auch sie merken, daß da nicht alles koscher ist.

Alexander Morfow hat durchaus ein Händchen für wunderbar absurde Situation, stellvertretend sei da nur die Hochzeit am Neujahrstag genannt, auf der sich ad hoc eine Art Dolmetscher Talk-Show bildet, als Frank nach Hilfe sucht. Doch das täuscht leider nicht über ein paar Längen hinweg, die wir durchleben müssen, bevor Frank endlich wieder im Zug sitzt, resp. sein Verbleiben nach dem Sturz vom Bahndamm aufgeklärt ist.

CoBi um 22:00 Uhr

Alltagsprosa (IX)

Dank Spiegelkaskaden, kann man beim Friseur jederzeit Abstand zu sich selbst nehmen!

CoBi um 00:14 Uhr

18. November 2006

Oda do radosci

Ode an die Freude (Polen 2005) Deutsche Erstaufführung

Nach einem Jahr als Putzfrau in London, kehrt Aga nach Schlesien zu ihren Eltern zurück. Während ihr Vater im Streik ist, versucht die Mutter über die Runden zu kommen, nach dem der Frisiersalon dichtgemacht wurde, in dem sie zuvor gearbeitet hat.

In Warschau hat Rapper Michael alle Mühe seine Kariere in Schwung zu bringen. Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern lebt er seine Musik. Doch ohne Job und bei der Großmutter lebend, ist man nicht wirklich die erste Wahl des Vaters der Freundin Marta.

Wiktor ist aus der Stadt ins Fischerdorf nach Pommern zurückgekehrt, nachdem er sich von seiner Freundin trennte. Er bringt seine Zeit mit dem Ausnehmen von Fischen und fruchtlosen Versuchen seine Beziehung zu kitten.

Die Stadt London spielt in allen drei Geschichten den Aufhänger. Dort hat Aga ihr Geld gespart, daß sie nun in einen neuen Laden für ihre Mutter investiert. London ist das Exil für Marta, damit Michael aus ihrem Leben verschwindet. Und auch Wiktor redet von London. Einfach raus aus Polen, dort arbeiten und leben.

Anhand dreier Schicksale wird das Leben von Jugendlichen in Polen beleuchtet. Da haben wir Aga, die mit ihrem Ersparten ihrer Familie unter die Arme greift. Michael, dessen Anspruch an Authenzität nicht mit den Erwartungen der Gesellschaft korreliert und Wiktor, der völlig ohne Ziel in den Tag lebt.

Alle drei werden im Laufe ihrer Geschichten mit der harten Realität konfroniert. Aga kauft einen Friseurladen, der im folgenden Streikchaos geplündert wird. Michael wird von Martas Vater gedemütigt, seine Mitrapper lassen ihn erst schleifen und stehen auf einmal wieder auf der Matte, als er Erfolg hat, den seine Großmutter leider nicht mehr auskosten kann. Wiktor hingegen, vergeudet seine Zeit in Warschau bei seiner Ex, anstatt den Flieger nach London zu besteigen und beschert seinem Begleiter dadurch eine gehörige Tracht Prügel, denn das Geld für die Tickets hatte dieser dem Freund seiner Mutter geklaut.

Doch anstatt sich von der Realität unterkriegen zu lassen, versuchen alle drei einen neuen Anlauf. Nach London.

CoBi um 16:30 Uhr

17. November 2006

Raftáci

Rafters (Tschechien 2006)

Nachdem er einmal mehr Mist gebaut hat, heißt es für Filip Lohnarbeit auf dem Bauernhof seines Onkels, statt Rafting-Lager mit seinem Freund Danny und zwei Freundinnen. Wie der geneigte Leser aber wohl erwartet, taucht Filip nie bei seinem Onkel auf, sonder fährt ins Rafting-Lager.

Allerdings fehlt da was. Und zwar die beiden versprochenen Damen. Macht allerdings nix, da ersatzweise eine Gruppe reifer Mädchen ebenfalls an der Rafting-Tour teilnimmt. Alles wäre eigentlich wunderbar, wenn nicht auch nicht Danys Eltern samt kleinem nervigen Bruder Honzik die dritte Partei im Spiel wären. Die wollen btw nicht die Jungs beaufsichtigen, sondern einfach nur ihre Ehe wieder aufpeppen.

Komödien über die Anbahnung des ersten Males gibt es mehr als genug und Rafters bildet da keinerlei Ausnahme. Lediglich eine tschechische Sicht der Dinge, die allerdings nicht viel an Differenzierung bieten kann, wenn es nur darum geht, daß Jungmann seine Jungfräulichkeit verliert.

Auflockerung erfährt der Film vor allem durch die Handlungsebene der Eltern. Dies erspart uns ein paar weitere unoriginelle Gags und zeigt wunderbar, daß die Sache mit dem Sex haben wollen und dann auch bekommen, zwei verschiedene Dinge sind. Vor allem, wenn ein alter Bekannter einem einfach keine ruhige Minute läßt.

Ansonsten verläuft alles ohne große Überraschungen. Die Jungs nutzen jede Gelegenheit die sich bietet um ins Fettnäpfchen zu treten. Und Filip leidet weiter unter seinem Fluch. Er mag noch so viele Mädchen ins Bett oder Heu bekommen, doch jedes Mal gibt es einen (peinlichen) Interruptus. Aber keine Angst. Was wäre so ein Film ohne Happy End? Und so werden am Ende nicht nur alle Handlungsfäden auf einem turbulente Feuerwehrball zusammengeführt, sondern auch die notwendigen Akte vollendet, die den Film überhaupt erst ins Leben gebracht haben. Auf für Filip.

Durchaus unterhaltsam, aber stellenweise einfach zu lang. Also nicht direkt langweilig, dafür sorgt schon der peppige Musik-Video-Schnitt der Komödie, aber für einen Film der zum Punkt kommen will, kommt er einfach nicht zum Punkt. Am Besten die meisten von Honzíks Streichen rausnehmen und schon wäre das Ganze mehr als eine Sketchparade mit rotem Faden. Die Schlingel aus der ersten Bank lassen grüßen.

CoBi um 14:00 Uhr

16. November 2006

Marfa si banii

Koks und Kohle (Rumänien 2001)

Man hinterläßt nicht gerade den besten Eindruck als Kurier, wenn man bei Annahme der Sendung im Bett aufgefunden wird. Vor allem nicht, wenn man für einen guten Freund der Familie sechs ominöse Medikamenten-Päckchen von Contanta nach Bucharest fahren soll. Da diskutiert man auch nicht großartig, ob man nicht noch etwas schlafen kann. Schließlich stehen 2000 US-Dollar auf dem Spiel und die Ware muss bis 14 Uhr ausgeliefert sein.

Und so macht sich Ovidiu mit seinem besten Kumpel Avil und dessen aktueller Flamme Beatrice auf den Weg. Eigentlich ist das alles verdammt öde. Mal eben nach Bucharest fahren. Doch als auf einmal ein Jeep hinter ihnen Zeichen gibt und sie nötigt rechts ranzufahren, wird aus der simplen Lieferung mehr als nur schnell verdientes Geld.

Man darf im weiteren Verlauf des Filmes jetzt aber keine Actionkomödie erwarten, bei der die Ware mehrfach den Besitzer wechselt, bis am Ende alle irgendwie glücklich und reich sind. Wir lernen zwar schnell, daß die Insassen des Jeeps bereit sind Gewalt anzuwenden, was sie aber genau wollen, ist danach nur noch Nebensache. Man stellt keine Fragen, wenn einem die Seitenscheibe zertrümmert wird, man fährt einfach nur, was der Van hergibt.

So besteht die weitere Fahrt auch hauptsächlich darin, mit Ivanov dem Absender via Telefon zu klären, was man verdammt nochmal wegen dem Jeep tun soll. Und das man in eine Polizeikontrolle gerät, macht die Auslieferung auch nicht leichter, aber wenigstens taucht danach der Jeep nicht mehr auf. Das man dank Verspätung den Adressaten erstmal nicht antrifft, ist fast schon Nebensache.

Auf der Rückfahrt beginnt Ovidiu so langsam zu begreifen, auf was für ein gefährliches Geschäft er sich da überhaupt eingelassen hat. Doch es scheint für die Ausstieg zu spät. Denn als er den Jeep passiert, sieht er überdeutlich, daß Ivanov über Leichen geht. Und zu solchen Leuten sagt man nur sehr selten nein, wenn sie einen neuen Auftrag haben. Vielleicht war das mit dem schnellen Geld, doch keine so gute Idee.

CoBi um 12:00 Uhr

Geistfrei

Eine wahre Ahnung von Freiheit drängt sich auf, wenn frühmorgens vor einem die Türen der U-Bahn aufgehen, einem komplette Schulklassen entgegenschallen, man in dicht gedrängte Gesichter zwischen trüb- und dumpfsinnig starrt …

… und einfach wieder umdreht, nach Hause geht und sich schlafen legt.

DenKa um 01:40 Uhr