Skurrile Hobbies (4)
Mit Ingwerknollen berühmte Gemälde nachstellen
Der fremde Vogel
(Deutschland 1911)
Eigentlich war ja die Reise in den Spreewald als Rahmen für die offizielle Verlobung zwischen der Engländerin May und ihrem Verlobten in spe Bruce gedacht. Doch leider hat sich May nicht nur in den stämmigen Spreewälder Paul verschaut, nein, sondern sie weist Bruces Avancen mehrfach zurück.
Als sie einmal mehr mit Paul rumturtelt, wird es ihrem Vater zuviel. So heißt es für May Koffer packen und ab nach Hause und dann wird zwangsverlobt.
May ist am Boden zerstört und will ihren Paul wenigstens noch einmal sehen, um ihm von Angesicht zu Angesicht Lebewohl sagen zu können. Als es soweit ist, kann sie nicht anders und muss mit Paul durchbrennen. Da Pauls Braut die beiden allerdings beobachtet hat, kommt es zu einer wilden Jagd durch den Spreewald mit tragischem Ausgang.
Ich schaue nun nicht soviele Stummfilme um dieses Werk einordnen zu können, aber es brauchte schon einige Minuten, bis ich mich zurechtgefunden hatte. Alle diese Jump-Cuts. Und wenn da die Protagonisten in die Landschaft schauen, gibts halt keinen Gegenschuß, der zeigt was sie sehen.
Zum Ausgleich gibts aber Zwischentitel, deren humoristischer Unterton mir bisher verborgen blieb. Sprechen Tafeln wie “Wo bleibt den das Frühstück?” noch eine deutliche Sprache, so sind die Lacher bei “Die Angst vor der Waldeinsamkeit” wohl doch eher unbeabsichtigt. Und als es dann am Ende zur “Jagd um Leben und Tod” geht, lachte der Saal, denn wer den Spreewald kennt, wird verstehen daß eine Verfolgungsjagd auf den Fließen, doch etwas Absurdes an sich hat.
Das Bizarreste war alledings Mays Tod. Aus irgendeinem Grund hatte ich theatralische Dramatik erwartet, aber es wurde nur ein kurzer Plumps. May irrt allein durch den Wald, gelangt an ein Fließ, macht einen Schritt, plumps. Und das wars. Einfach so. Und dann wurde das vorher sogar noch durch eine Texttafel gespoilert: “May’s Tod”. Vermutlich damit diejenigen, die wissen das das gemeine Fließ nur um einen Meter tief ist, nicht der falschen Hoffnung erliegen, daß sie den Plumps überleben wird.
Wie in Tragödien so üblich, sind am Ende aller verzweifelt und wir sehen May’s letzte Fahrt durch den Spreewald. Im Sarg. Sowas sieht man ja auch nicht so oft.
16. FilmFestival Cottbus
Und schon wieder ist es soweit. Das wohl einzige Filmfestival ohne eigenes Festivalkino zeigt wieder fünf Tage lang neue und alte Produktionen aus Osteuropa.
Naja, ganz stimmt es ja nicht mehr. Dank Zwangseingemeindung des Landes gehört inzwischen ein Multiplex zur Stadt. Aber das kann leider aus topographischen Gründen nicht vernünftig in das Festival integriert werden.
Okay, in der Innenstadt ist auch wieder der Weltspiegel dabei und das Obenkino ist auch irgendwie ein Kino. Aber komisch ist das schon. Der Hauptspielort ist die örtliche Stadthalle und ein weiterer Spielort ein Theater.
Aber es wäre schon toll, wenn es ein echtes Festivalkino gäbe, für all den Glanz und Glamour. Nunja, vielleicht nächstes Jahr, oder Übernächstes. Oder im Jahr darauf. Und so ohne Kinotheater (sic) würde einem in Cottbus auch was fehlen.
Wieder mal die Milchmädchen
Wie uns ua SPON heute informierte, wurden in Hamburg über 100 Container mit gefälschter Markenware sichergestellt. Und damit wir auch alle wissen, was das bedeutet hat man mal eben ausgerechnet, was diese Container für einen Wert hätten, wenn sie mit Originalen gefüllt wären:
383 Millionen Euro.
Ja gut viel. Sehr viel. Und deswegen wird auch gejubelt: “Mit ihrer Entdeckung wurde ein wirtschaftlicher Schaden von über 383 Millionen Euro verhindert.”
Ähm halt Stop. Irgendwas stimmt da doch schon wieder nicht. Die Hersteller der Originale hätten also einen Schaden von 383 Mio Euro erlitten, wenn diese Waren in den Handel gekommen wären? Das dürfte doch nur auf den Teil der “Kunden” zutreffen, die sich zwar das Original leisten könnten, aber trotzdem die Kopie kaufen.
Denn diejenigen die das Geld für ein Original haben, werden ja wohl kaum die Kopie zum gleichen Preis kaufen. Und diejenigen die sich nur die Kopie leisten können, haben ja zwangsläufig sowieso nicht das Geld um sich ein Original zu kaufen. Und somit werden die Hersteller der Originale so oder so keine Waren in der vernichteten Stückzahl absetzen.
Aber vermutlich hat man das von der Filmlobby gelernt. Die geht ja auch schamlos davon aus, daß jeder kopierter Film sonst in der teuersten Vorstellung gesehen wurde und das vermutlich auch gleich die extra aufgeppepte Special Edition gekauft würde.
Regrübtim Retreitnemgip Rekräts?
Also die politische Korrektheit macht einem jetzt sogar schon die Palindrome kaputt!!!1
und ich hab keinen Schirm dabei
· Dafos um 20:18 Uhr
Friedliche Übergabe
Da wir hier sowieso witzlos sind, räumen wir einfach bis Aschermittwoch das Feld.
Wenn Sie witzig sind und uns aushelfen können, dann melden sie sich!
Zur Not arbeiten wir den Cat-Content aus dem Lawblog auf, wenn hier nix passiert.
Sonja Kling
Bitte in weiten Teilen wahrnehmen, dann spontan ein wenig Freude empfinden. Irgend jemand wird es euch danken.