Rom
Ein Mann geht seinen Weg
Den ersten Menschen, der ihm begegnet, nimmt er beiseite:
“Sicherheit ist wichtig. Ohne sie sind wir nicht frei.”
Voll frohen Mutes geht er weiter. Einem Mann raunt er zu:
“Der Staat muss eingreifen dürfen. Er muss jederzeit Zugriff haben.”
Er lenkt seine Schritte zielstrebig geradeaus und ruft einer Gruppe junger Leute zu:
“Wer nichts tut, muss nichts fürchten. Wir arbeiten mit Bedacht und unter strengsten Auflagen.”
Entschlossener denn je zuvor schreitet er voran. Und wispert der vorbeieilenden Frau zu:
“Die Gesetze dürfen uns nicht einschränken. Sonst ist der Kampf schon verloren.”
Seine eigenen Worte verleihen ihm Kraft, er drückt den Rücken durch und tadelt die junge Mutter am Wegesrand:
“Auffälliges Verhalten darf nicht unbeachtet bleiben. Wir müssen früh eingreifen.”
Beseelt von seiner eigenen Überzeugung verfällt er fast ins Laufen. Ein wenig außer Atem erklärt er dem Paar neben sich:
“Der Gedanke zählt. Nur so kann die Demokratie überleben.”
Nach einer kurzen Pause marschiert der Mann unerschrocken weiter. Die Frau, die ihm entgegen kommt, ermahnt er:
“Jeder ist verdächtig. Wer sich interessiert und informiert, beweist seine Schuld.”
Fast beschwingt ist jetzt sein Gang. Sogleich spricht er die spielenden Kinder an:
“Erkennt den Feind unter euch. Misstraut jedem.”
Jetzt ist er sich ganz sicher, er kennt das Ziel. Im Vorübergehen warnt er den alten Mann:
“Verschwiegenheit schützt alle. Wer nichts weiß, kann nicht eingreifen.”
Sein Ziel, er kann es schon sehen. Hastig die letzten Worte in die Dämmerung hinein geworfen:
“Freiheit ist die Ursache allen Übels.”
Die letzte Kurve, der letzte Winkel, dann ist er endlich dort. Erleichtert brüllt er in die Nacht:
“Das ist unser Lohn!”
Irritiert lauscht er dem dumpfen Widerhall seiner Worte. Langsam dreht er sich um die eigene Achse. Niemand ist ihm gefolgt.
Allein bleibt er ratlos in der dunklen Sackgasse zurück.
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