Moraliges
Wer das nicht liest, ist für Nazis
Oder irgendwie so. Jedenfalls wirft das ein ganz, ganz schlechtes Licht auf all die Surfer die diesen Artikel nicht komplett lesen! Und es ist außerdem ein Imageschaden für die ganze Blogspähre und so! Also echt jetzt. Lest es doch einfach. Ihr wollt doch keine Sympathisanten der Rechten sein, oder?
Worum gehts eigentlich?
Darum “Gesicht [zu] Zeigen!”. Jedenfalls ist das das Motto des Campusfestivals Cottbus gewesen. Das Campusfestival war eine mehrtägige Veranstaltungen mit verschiedensten Musikkapellen, von denen “Wir sind Helden” die wohl einzig überregional bekannte ist.
Laut gegen Nazis rocken am 28. Juni 2008 Wir sind Helden, Boundzound, K.I.Z. und Garp den Campus der Brandenburgischen Technischen Universität! Im Rahmen der Aktion Gesicht Zeigen! Weltoffenes Deutschland findet dieses Jahr wieder das Campus Festival 08 an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus statt.
Soweit so unproblematisch.
Komisch wirds dann allerdings, wenn sich der Veranstalter im Nachklapp öffentlich darüber ausweint, daß zu wenige Besucher gekommen sind. Und weil er natürlich nicht rumjammern kann, daß er sich mit dem Event verkalkuliert hat, holt er eben die Nazikeule raus und attestiert der Stadt einen Imageverlust, weil ja nur 1000 Leute ihr “Gesicht gezeigt” haben und demzufolge im unvermeidlichen Umkehrschluß hier alle die Nazis entweder dulden oder gar gutheißen.
WTF?
D.h. ich muß also in Zukunft mindestens 20 Euro auf den Tisch legen, damit man mir so etwas selbstverständliches wie die Ablehnung von rechten Ideologien glaubt? Denn das Campusfestival war mitnichten eine Benefizveranstaltung, bei der die Bands ohne Gage aufgetreten sind, oder bei der der Erlös irgendeiner gute Sache zugute kommt. (Falls dem doch so wäre, ist es jedenfalls verdammt schlecht beworben worden)
Der Veranstalter ist jedenfalls enttäuscht, da von den avisierten 3000 Besuchern nur 1000 kamen. Selbst wenn wir mal den Gruppendruck ignorieren, ist das immer noch extrem ähm “ambitioniert”. Denn wo sollen diese 3000 Besucher denn herkommen?
Die Uni selbst hat nur so um die 4000 Studenten (je nach Interpretation der offiziellen Zahlen) und davon sind an einem Wochenende schlichtweg viele nicht in der Stadt oder leben sowieso auswärts oder (okay etwas unwahrscheinlich) lernten für Prüfungen. Und was die Restjugend betrifft hat die an einem Wochenende, bei es übrigens verdammt warm war, auch anderes zu tun als sich für 20 Euro irgendwo Bands anzuhören, die sie am Ende vielleicht gar nicht mag. Z.B. den eigenen Abiturball zu besuchen. Aber hey, es gab ja sonst keine Konkurrenz und bei Rock gegen Rechts herscht Anwesenheitspflicht!
In Cottbus gibt es nunmal immer weniger Jugendliche. Es ist ja nicht so, daß hier jedes Wochenende Konzerte und Festivals steigen die stets und ständig Besuchermassen anziehen und nun ausgerechnet das Campusfestival boykottiert wurde.
Ich verstehe den Frust des Veranstalters. Er wird einiges Geld in den brandenburgischen Sand gesetzt haben. Aber jetzt im Nachklapp das Scheitern seiner naiven Pläne mit irgendwelchen Nazi-Sympathien zu erklären ist nicht nur beschämend, sondern sogar dummdreist.
Da ich mich in der Vergangenheit bereits Friedensmärschen und sonstigen Aufläufen verweigert habe um meine Gesinnung öffentlich zu dokumentieren (und am Ende nichts anderes erreicht zu haben, als mein Gewissen zu beruhigen) werde mich erst recht verweigern 20 Euro auf den Tisch zu legen, damit man mich am Ende nicht als Nazusympathisant bezeichnet. Vor allem wenn die 20 Euro rein wirtschaftlicher Ertrag eines Unternehmers sind.
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