ohne pointe

das wohl patriotischste Blog aus dem Land der Kernspalter und Autobauer

Aufklärung Ost
Falten vs. Tippen

Als ich heute auszog um Wahlbeobachter zu beobachten, könnte ich in Ermangelung derer Anwesenheit eine alternative Beobachtung durchführen: die Langsamkeit des digitalen Wählens. Resp. des Wählens mit einer Wahlmaschine.

Der Grund findet sich erstmal darin, daß es zwei “Wahlzettel” gab, einmal für die neuen Stadtverordneten und einmal die Ortsbeiräte. Jedesmal konnten (und mußten technisch auch) drei Kreuzchen getippt werden um die Stimme einzutüten. Dank der Vielfältigen Auswahl war das erstmal ein Such- und Findspiel.

Das ist natürlich bei der Papierwahl nicht anders! Allerdings ist so eine Maschinenwahl eine eingleisige Angelegenheit. Es gibt an der digitalen Urne nur Einzelbetrieb und so baute sich sukzesive eine Schlange auf die auch so schnell nicht kürzer wurde.

Also schnell die Stoppuhr mal angeworfen und mitgemessen. Völlig unrepräsentativ kommt man bei 12 Wahlvorgängen auf einen Durchschnittswert von 43 Sekunden. Sagen wir mal 30 Sekunden ist der Best-Case für jemanden der weiß wen er wählen will und seine Kandidaten nur noch finden muß und 60 Sekunden für jemanden der erst am Gerät feststellt, daß er gar nicht so recht weiß, was er da eigentlich soll. Pro Stunde schafft man also zwischen 60 und 120 Wähler.

Hmm, da kann man ja froh sein, daß nicht jeder zur Wahl geht. Denn bei – sagen wir mal – 1500 Wahlberechtigten an einem Gerät brauchen wir im Best-Case bis 20:30 Uhr bis der Letzte seine Stimme abgegeben hat. (Es ist übrigens kein Problem das um 18.00 Uhr das Lokal schließt. Hauptsache alle sind dann anwesend die noch Abstimmen müssen).

Diese Feststellung trieb mich dann zurück in mein heimische Wahllokal. Dort wurde mit Papier und Stift abgestimmt. Allerdings auch gleich drei Wahlzettel, der weitere für den Kreistag. Hier ist die Versuchanordnung natürlich etwas anders aufgebaut, aber die Messung läßt sich analog gestalten. Es gab zwar drei Wahlkabinen, aber gemessen wurde nicht das ausfüllen, sondern die Zeit zwischen zwei Urnen-Einwürfen.

Hier ergab es sich (nach Messung von unrepräsentativen 24 kontinuierlichen Wahlvorgängen), daß quasi im gemittelten Wahlgang 56 Sekunden benötigt wurde. Engpaß ist hier weniger der Urneneinwurf, als die Anzahl der Wahlkabinen und in gewisser Weise die Faltung der Wahlzettel. (Bitte dreimal, zwei genügt nicht!). Wenn wir jetzt also mal milchmädchenhaft auf zwei Wahlzettel runterrechnen, landen wir bei 37 Sekunden! Und es sollte offensichtlich sein, daß diese Zahl durch simples Hinzufügen weiterer Wahlkabinen optimiert werden kann.

Denn jenseits der mehr als berechtigten Sicherheitsdebatte vereinfachen Wahlmaschinen das Wählen nicht automatisch. Sobald der Wahlzettel komplizierter wird, wird zwar am Ende die Auswertung einfacher, aber der Wahlvorgang selbst wird vor allem zu einer unnötig langen Warterei. Und je länger man wartet um so eher wird man sich wohl fragen, ob denn die eigene Stimme auch richtig gezählt wird.

Ich denke das ist ein weiteres Argument (wenn natürlich auch ein nachrangiges) für die Abschaffung von Wahlmaschinen. Es darf nicht sein, daß die Ausübung eines demokratischen Rechtes durch künstliche Flaschenhälse behindert wird. Wer zur Wahl geht, soll dort bitte auch wählen dürfen und nicht 90% seiner Anwesenheit mit Warterei verbringen. Das könnte durchaus auch zu dem Gedanken führen, sich den Scheiß beim nächsten Mal nicht mehr anzutun.

CoBi am 28.09.2008 um 21:02 Uhr

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