Feigenblätter
Unschuldsvermutung
Ich denke die letzten Tage haben gezeigt, daß es eine neues rhetorisches Mittel gibt, um jemanden öffentlich zu diffamieren.
Wo man bisher gern “mit Verlaub aber” eine Beleidigung einleitete, scheint es inzwischen opportun vor einenen abschließenden Schuldspruch ein “Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung” zu stellen.
Mein geliebtes Radio Eins hat heute btw auch die Glanzleistung vollbracht, mehr als 50% eines Interviews mit einem Thema zu verbringen, über das man ja gar nicht reden wolle. Und auch bei der anschließenden psychologischen Auswertung sollte es gar nicht um das böse Thema gehen, für das ja diese komische Unschuldsvermutung gilt.
Und in der Tat, die Auswertung beschäftigte sich dann mit der Frage, ob die Persönlichkeit der interviewten Person zu dem Bild paßt, welches man sich eigentlich auf Grund dieser Unschuldsvermutung ja gar nicht bilden sollte, aber es ist ja vielleicht doch also am Ende, und so.
Liebe Medien, bezüglich Eurer Intentionen verkeife ich mir mal jegliches Unschuldsvermutungsfeigenblatt und spekuliere offen drauf los: Entweder seit ihr zu dumm, oder ihr wißt ganz genau was ihr tut. Beides paßt nicht zum selbsterklärten Qualitätjournalismus.
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