Apple und die Zensurvorwürfe.
Hui, da gehts mal wieder im Heise-Forum hoch her, nachdem der Vogel-Verlag von Vorwürfen schreibt die sich im Endeffekt darum drehen, daß auf den iPhone nicht alles möglich ist, was denkbar ist.
Wir ignorieren jetzt einfach mal den Teil wo Zeitungen – die sich selbst massiv dagegen werden Dinge nicht veröffentlichen zu müssen, die Ihren Ansichten widersprechen – sich künstlich aufregen und widmen uns der Frage, wer da eigentlich was kontrolliert.
Der Nutzer hat natürlich die Kontrolle über sein Gerät. Was sich u.a. darin äußert, daß er mittels Browser jede erdenkliche URL aufrufen kann, die es da draussen gibt. Einzige (durchaus schwerwiegende Einschränkung) ist der Umstand daß nicht alle Mittel dargestellt werden, die im Web so Einsatz finden. Z.B. Java- und Flash-Applets. Aber eine inhaltliche Kontrolle findet hier nicht statt. Wenn es da irgendwo iPhone-kompatiblen Porn gibt, dann kann ich den auch nutzen.
Das gilt übrigens auch für Informationen und so.
Worüber der Nutzer allerdings keine Kontrolle hat, ist welche Applikationen im AppStore auftauchen. Der steht voll und ganz unter Apples Kontrolle und Apple sieht sich hier auch in einer gewissen Verantwortung die Apple glaubt mit Beschränkungen bei den Angeboten begegnen zu müssen. Es gibt bei Apple gewisse “Werte”-Vorstellungen über die zulässigen Inhalte der Applikationen und diese Vorstellungen sind grob bekannt. (Das eine detailierte Liste die Situation nicht verbessern würde, sei an dieser Stelle nicht vertieft)
Als Entwickler weiß ich davon, daß ich nicht alles was mir einfällt so über den AppStore verbreiten kann. Da kann man auch nicht behaupten, daß es Entwickler gibt die das bisher nicht wußten, da ja vermutlich jede bisherige Ablehnung zum Staatsakt aufgeblasen wurde.
Es darf davon ausgegangen werden, daß viele Sachen die technisch und algorithmisch möglich wären nicht in Form von Apps über den AppStore heruntergeladen werden können. Und da es auch keinen anderen offiziellen Weg gibt Applikationen auf das iPhone zu laden, hat hier in der Tat Apple eine Kontrollfunktion.
Aber die beschränkt sich eben auf das Zugänglichmachen der Applikationen!
Wenn eine Applikation sich nicht benimmt, wird sie aus dem AppStore verbannt. Allerdings sind noch keine Fälle bekannt, in denen Apple auf dem Gerät diese Applikationen entfernt hätte. Was ausgeliefert wurde, wurde ausgeliefert und kann genutzt werden! Apple hat zwar grundsätzlich die Möglichkeit die Applikationen wegzuräumen (wie es wohl auch bei Android ist) hat aber eben bisher – trotz mehrere Anlässe – nicht davon gebrauch gemacht. Im Gegensatz zu Amazon, die ja mal eben auf dem Kindl “aufgeräumt” haben.
Kommen wir also zur Zensur zurück. Der Begriff taugt hier ja nun überhaupt nicht. Denn Apple ist in keinerlei Monopol-Situation, wo man den Leuten irgendwelche Informationen vorenthalten könnte. Oder eben Titten. Es gibt soviele Telefone da draussen, die auch noch alle immer soviel besser als das iPhone seien sollen. Wer sich also nicht “zensieren” lassen will, kann sich jederzeit eines dieser anderen Telefone mit offensichtlich freierer Programmeinspielung besorgen.
Und diejenigen die mit der Vormundschaft von Apple leben wollen, die nehmen halt weiter das iPhone.
Da mag jetzt gern der Vorwurf kommen, daß das ja eher eine Entmündigung statt einer Vormundschaft ist, aber das zieht dann doch nicht. Denn ich lasse mich ja auch nicht entmündigen, wenn ich zu einem Discounter meiner Wahl gehe und dort aber nicht jedes am Markt verfügbare Produkt erwerben kann. Oder das ich am Zeitungskiosk meiner Wahl nicht jederzeit das neue “Cumshot Deluxe” kaufen kann, weil der Besitzer die Ansicht vertritt, sowas nicht verkaufen zu wollen.
Der Erwerb eines iPhone oder iPod Touches ist jedenfalls nicht mit einem Knebelvertrag verbunden, seine Informationen und Applikationen zukünftig ausschließlich über diese Gerät zu beziehen.
Wobei, wenn es natürlich nach dem Willen einiger Verlage geht – um mal wieder zum Ausgangspunkt zurückzufinden – könnte es schon sein, daß man im iPhone-Universum zukünftig gewisse Informationen nur noch so abrufen darf, wie es den Verlagen in den Kram paßt. Das ist dann wohl Doppelmoral. Oder schlichtweg die Verblendunge, daß es bei den Verlagen ja nur ums Geld geht und damit Beschränkungen okay sind. Es kann sich ja jeder freikaufen.