ohne pointe

das wohl patriotischste Blog aus dem Land der Kernspalter und Autobauer
18. August 2009

Warum tut eigentlich niemand was gegen Apple?

Gibt es eigentlich schon eine Bezeichnung für ein Phänomen der jüngeren Zeit, welches sich darin äußert, daß jegliche Kritik an Apple bejubelt wird, egal wie unlogisch oder gar schwachsinnig sie ist? (Nein, Antifanboy ist nicht die Lösung).

Das es neben der zahlreichen berechtigten auch unberechtigte Kritik an Apple gibt, ist ja nicht das Problem. Das ist halt überall so. Aber warum finden ausgerechnet die Kritiken den meisten Zuspruch, die am weitesten weg von der Realität sind?

Vermutlich ist das schon die Antwort auf die Frage, denn Vereinfachungen und Verfälschungen machen das Verständnis leichter, wohingegen die nackte Wahrheit doch etwas komplizierter ist und man da eventuell mitdenken müßte, bevor man “Apple doof” schreit.

Nehmen wir mal als Fallbeispiel einen Beitrag aus der letzten Trackback-Sendung (MP3) von Radio Fritz:

Chris Guse erklärt (inspiriert durch Jason Calacanis, dt. Zusammenfassung), warum Apple ein Monopol hat, weiß aber auch nicht, warum niemand was macht

Okay, ich könnte das Posting jetzt an dieser Stelle mit “weil Monopole weder illegal noch immanent böse sind” das Posting beenden. Aber dann verpassen wir eine total absurde Schlußfolgerung über die soziale Marktwirtschaft.

Fangen wir mal direkt mit dem Aufsager zum Beitrag an:

Es ist eine Firma die Dinge herstellt die viele Leute benutzen, die dafür sorgt dass die Konkurrenz möglichst keine Sonne sieht und die dazu auch gern Mittel benutzt die anderswo das Kartellamt auf den Plan gerufen hätte. Nein, ich rede gerade nicht von Microsoft, ich rede von Apple. So siehts auch ein Blogger namens Jason Calacanis, der hat letzte Woche einen Artikel geschrieben wo’s genau darum geht. Der sagt “Apple könnte das nächste Microsoft sein, vielleicht sogar noch schlimmer”. Wieso? Weil Apple halt mittlerweile wie Microsoft seine monopolartige Stellung im Markt halt auch mal ausnutzt. Ob das wirklich so ist, hat sich Chris Guse mal genauer angeschaut.

Na das ist doch mal ein Einstieg nach Maß. Viel Anklage, viel Spannung. Ich lasse jetzt aber mal gleich die Luft raus, denn wer jetzt erwartet, daß im folgenden Beitrag die Mittel genannt werden, mit denen es Apple der Konkurrenz schwer macht, der wird enttäuscht. Da kommt nix. Außer unsinnige Schlußfolgerungen über die soziale Marktwirtschaft.

Wobei der Beitrag selbst gleich im ersten Satz nochmal so tut, als ob er sich damit beschäftigen würde:

Microsoft oder Apple, Fenster oder Apfel, wer übt wie sein Monopol aus?

Aber das ist nur eine Scheinfrage, denn jetzt gehts erstmal um die Frage was Monopole sind (und es kommt auch gleich die hahnebüchene Schlußfolgerung zur sozialen Marktwirtschaft) und darüber wird völlig vergessen, daß man ja eine Frage zur Monopolausübung gestellt hat.

Dazu müssen wir erstmal klären was überhaupt ein Monopol ist. Zufällig ist heute Samstag und zufällig ist da immer der verrückte Fritz-Professor im Haus. Herr Professor, was bedeutet Monopol?

Ja also, Monopol. μόνος πωλεῖν. Alleine verkaufen. Altgriechisch. Beschreibt ein System der Ökonomie in der Wirtschaft eine Situation in der es nur einen einzigen Anbieter gibt! Im Falle von Microsoft oder von Apple spricht man von allerdings von einem Quasimonopol, weil es ja noch andere Konkurrenten gibt deren Marktanteile aber so gering sind, daß der Marktführer quasi wie ein Monopolist agieren kann!

Ja und was ist so schlimm daran?

Das lieber Freund, hmm, ist dann keine soziale Marktwirtschaft mehr!

WIE BITTE?

Soziale Marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, daß es keine Monopole gibt? Also da hat jemand weder verstanden was Monopole sind, noch was soziale Marktwirtschaft sein soll. (Okay, letzteres ist kein echter Makel, da das ja nicht mal mehr die Politik auf die Reihe bekommt).

Oder bin ich hier gerade auf Ironie reingefallen? Schließlich stammt die Aussage ja vom verrückten Fritz-Professor. Insoweit wäre es ja nur folgerichtig, wenn dessen Antworten selbst verrückt wären.

Au, okay. Dann schauen wir mal, welche Bedeutung beide Konzerne am Markt haben. Microsoft hat im vergangenen Jahr rund 60 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Apple immerhin die Hälfte davon, ca. 32 Milliarden Dollar. Das zeigt die Marktpower. Damit kann man die ein oder andere Plakatwerbung machen.

Rund 92% aller Rechner mit denen das Internet besurft wird, sind mit einem Windowsbetriebssystem ausgestattet. Ähnlich ist Apples Anteil am MP3-Player-Markt mit den iPod und im Musikdownloadgeschäft mit der Plattform iTunes. Zumindest in den USA und die machen ja alles immer zuerst.

Au, okay. Also wir vergleichen hier mal eben den weltweiten Bestand an Surfrechnern, mit US-only MP3-Player-Anteilen. Und weil der Beitrag das selber weiß, schiebt man schnell noch ein Feigenblatt nach, daß das im Rest der Welt ja auch bald so seien wird. Das das die Prämisse in Frage stellt, scheint egal. Aber egal, da wir ja schon deklariert haben, daß Monopole nicht gut für die soziale Marktwirtschaft sind, genügt es ja einfach irgendwie Monopole zu finden.

Und was soll das Ganze jetzt mit den Zahlen?

Gute Frage. Offensichtlich ist den Machern selbst aufgefallen, daß man daraus alles Mögliche ableiten kann, aber eben nicht zwangsläufig daß Apple schlimmer als Microsoft ist.

Nunja, ist Apple das neue Microsoft? 2004 und nochmal 2006 verurteilte der Europäische Gerichtshof Microsoft zu Strafzahlungen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro weil Microsoft unter anderem einen Browser und einen Mediaplayer mit seinem Betriebssystem auslieferte.

Ist doch nett, wie hier der Eindruck erweckt wird, daß Microsoft viel Geld zahlen mußte, und das nur, weil man “unter anderem” einen Browser und einem Mediaplayer beigelegt hat. Das es bei diesem beiden Punkten um die Frage ging, ob Microsoft Druck auf die Händler ausgeübt hat keine anderen Browser und Mediaplayer mehr vorzuinstallieren, ist ja nicht weiter wichtig. Denn das würde ja nur aufzeigen, was genau das Problem bei marktbeherschenden Stellungen ist. Nämlich die Ausnutzung derselbigen.

Ich unterbreche jetzt einfach mal mit Fakten: Monopole sind legal! Es gibt davon Hunderte, wenn nicht sogar Tausende. Und die gabs auch schon, als die soziale Marktwirtschaft diesem Namen noch am gerechtesten wurde und die soziale Marktwirtschaft wurde auch nicht durch Monopole ihres Adjektivs beraubt! (Aber das ist eine andere Geschichte).

Monopole sind erst dann ein Problem, wenn sie dazu genutzt werden um Dinge durchzudrücken. Z.B. um PC-Schraubern bestimmte Konditionen zu verweigern, nur weil sie alternative Browser vorinstallieren.

2009 Apple hat gerade mit dem iPhone gezeigt, daß es genauso wie Microsoft versucht mit einem geschlossenen System den Markt zu bestimmen. D.h. du benutzt nur diesen Browser, du lädst nur hier deine Musik herunter, du benutzt nur diesen Anbieter um zu telefonieren.

Uiuiui, das wird ja gleich alles Mögliche in einen Topf geworfen und weiterhin nicht auf die Frage eingegangen wie Apple nun genau sein Monopol nutzt.

Fangen wir mal im ersten Satz an. Apple versucht also mit einem geschlossenen System den Markt zu bestimmen. (Das “wie Microsoft” betrachte ich mal als unglückliche Formulierung, da es ja überhaupt keinen Sinn machen würde, von Windows als geschlossenem System auszugehen).

Soso, Apple bringt also ein geschlossenes System auf den Markt. Wo man auf Freigaben durch den Hersteller angewiesen ist.

1) Das das System geschlossen ist, war vorher bekannt.

2) Geschlossene Systeme sind etwas völlig Normales am Markt. Z.B. bei Spielekonsolen seit Jahrzehnten praktiziert. Zumindest Nintendo hat volle Kontrolle welche Titel auf ihren Konsolen gespielt werden können. Und es scheint weder Konsumenten noch Marktkontrolleure zu stören.

3) Wo genau kommt hier eigentlich das Monopol ins Spiel? Microsoft wurde verurteilt, weil es mit Hilfe seines Monopols agierte. Aber welches Monopol hat jetzt Apple eigentlich genau genutzt um den Nutzern vorzuschreiben welche Browser sie nutzen, wo sie Musik runterladen?

4) Nur der Vollständigkeit halber: als Besitzer eines iPod oder iPhones kann ich auch andere Musikangebote nutzen um die Player zu bestücken. Ich kann zwar nicht jedes Format abspielen, aber ich muß auch kein einziges Musikstück aus dem iTunes Store kaufen, wenn ich Musik auf einem i-Gerät hören will.

Ja, Apple hat die totale Kontrolle über Software auf iPhone + iPod Touch. Aber das ist deswegen ja kein Monopol. Denn auf die eigenen Produkte hat ein Hersteller immer ein Monopol und sehr oft auch die totale Kontrolle. Das es viele Leute gibt, denen Letzteres nicht gefällt, ist für mich mehr als verständlich. Aber dieser Frust macht Apple nicht zum Monopolisten, denn es gibt ja eben noch andere Geräte am Markt zu kaufen. Oder welche Aktionen genau unternimmt Apple um dafür zu sorgen, daß kein anderer Hersteller mehr Smartphones und tragbare Musikspieler anbietet? Da kann man doch jetzt (analog zu Google) nur noch mit “naja, die haben halt das beste Produkt” antworten. Aber ein verdammt gutes Produkt zu haben, kann doch bitte kein Vorwurf sein, der dann darin gipfelt, daß man inzwischen schlimmer als Microsoft sei.

Und nein, wieso genau man schlimmer ist, wird auch der Beitrag nicht mehr erwähnen. Das erwähnt ja sowieso niemand. Das wird immer nur überall wiederholt wie ein Mantra in der Hoffnung, dass die Leute es wohl über die Zeit glauben und sich niemand mehr für Argumente interessiert.

Aber weiter im Beitrag:

Relevant wird das Ganze einfach sehr, sehr bald wenn alle Medieninhalte zusammenfallen und man alles über ein Gerät kaufen kann. Und Apple hat da schon eine Idee:

iTable. Computer und immer und überall direkt verbunden mit dem AppStore

Wie, das wars jetzt? Apple ist also jetzt schon schlimmer als Microsoft, weil man irgendwann mal alle Medien über ein Gerät kaufen könnte? Und als weiteres Argument denken wir uns dann noch irgendwas aus? Und wo ist eigentlich das Problem an der Existenz eines Gerätes, über das ich eine Vielzahl von Medieninhalten kaufen kann? Untersagt Apple Medieninhalteanbietern die Verbreitung auf anderen Wegen? Behindert Apple Nutzer daran sich auf anderen Wegen mit Inhalten zu versorgen?

Ja, man kann nicht jedes Programm das man möchte auf einem iPod Touch oder iPhone laufen lassen. Aber das ist ja vorher bekannt gewesen. Vor allem bevor iPhones oder iPod Touche irgendein Monopol dargestellt hätten. (Hier stellt sich in der Tat die Frage, wie die Welt ausgesehen hätte, wenn der AppStore erst zu einem Zeitpunkt gekommen wäre, an dem es ein tatsächliches Monopol für beide Geräteklassen gegeben hätte.) Vielmehr ist es ja gerade so, daß der AppStore mit dazu geführt hat, daß iPod Touch und iPhone so beliebt sind.

Wo bleibt eigentlich die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, wer wie sein Monopol ausübt? Davon konnte man nur ein verzerrtes Einsprengsel über Microsoft hören und bei Apple fehlt das wie immer noch völlig.

Was sagt eigentlich die Generation Hipp und Hype dazu? Hier Cafe Berlin Mitte.

Befragter 1 ) Also ich benutze Apple, weil ich kenne mich mit Computern nicht gut aus und bei Apple ist alles ganz einfach. Und das find ich toll.

Welches Gefühl hast Du Microsoft hörst?

Ähm da möcht ich sofort in ein’ Apple-Laden.

Findest Du Apple ist ein cooler Konzern?

Befragter 2) Auf jeden Fall haben die ein sehr cooles Image. Alle finden Apple toll. Niemand haßt Apple. Ich fange jetzt absofort damit an Apple zu hassen. Und ich bin der Erste der Apple haßt.

Hmm, ja, ähm. Was auch immer. Bezüglich Apples bösen Praktiken sind wir da jetzt auch nicht schlauer geworden. Vielleicht hilft uns ja der Absager etwas weiter:

Ja da ist er, wie es wohl jetzt gerade aussieht nicht mehr der Einzige. Und es wird wahrscheinlich in nächster Zeit auch ein paar Leute mehr geben, die das nicht nur aus purem Image tun. Der Unmut gegenüber Apple schwillt im Netz weil Apple ja z.B. sein iPhone nicht allen Applikationen öffnet, und man halt auch nur über einen Anbieter telefonieren kann. In Deutschland die Telekom.

Ah, endlich mal etwas Realitätsbezug, denn der Satz mit dem Unmut ist richtig. Ja, es gibt viele Nutzer die gern eine weniger restriktive Politik von Apple sehen würden. Ja, man würde das iPhone gern bei jedem Provider benutzten dürfen. Aber ist das nun ein Beleg dafür, daß Apple schlimmer als Microsoft ist? Ist das irgendwie Mißbrauch eines Monopols? Denn bei Geräten mit Anwendungsausführungsmöglichkeiten hat Apple definitiv kein Monopol!

Die Frage ist jetzt, wann sich eigentlich die EU-Kommission mit Apple beschäftigen wird, oder warum sie das nicht tut.

Ist das wirklich noch eine Frage? Der Beitrag selber hat es ja nicht geschafft aufzuzeigen, an welcher Stelle Apple irgendein Monopol irgendwie mißbraucht. Nichtmal durch das wilde Durcheinanderwürfel von Fakten und Behauptungen von Zusammenhängen wo keine sind.

Ich finde solche Beiträge immer schade, da sie sich an Scheinproblemen abarbeiten, statt die Sachverhalte aufzugreifen, die wirklich problematisch sind. Ich hoffe mal, daß das nicht an Rechercheunwilligkeit oder Angst vorm Erkläraufwand liegt.

CoBi um 12:42 Uhr

26. Juli 2009

Foodblogging
Was vorm Regen gerettet wurde

CoBi um 13:14 Uhr

*SABBER*

· Almi um 14:24 Uhr am 21.08.2009

16. Juli 2009

iTunes vs. Palm Pre

Angesichts der leidenschaftlich geführten Debatte, die sich mal wieder mehr darauf konzentriert, was man glaubt was abgeht, als sich damit zu beschäftigen, wie die Fakten wirklich aussen, komme ich nicht umhin mal etwas Informationen in den Raum zu streuen.

Das werden die Leute die sich über Apple aufregen wollen zwar mal wieder ignorieren, aber schaden kann es ja trotzdem nicht.

Erstmal ein paar Fakten ohne Anspruch auf Gewichtung oder Vollständigkeit:

  • Palm Pre Nutzer können weiterhin Musik mit iTunes kaufen.
  • Palm Pre Nutzer können diese Musik jeder Zeit auch ohne iTunes nutzen.
  • Palm Pre Nutzer können nicht mehr Musik zwischen iTunes und einem Palm Pre synchronisieren

Apple hat nichts weiter getan, als Palm Pres (die sich btw gegenüber iTunes als iPods ausgegeben haben) nicht mehr als iPods zu behandeln und aus diesem Grunde auch nicht mehr mit ihnen Music zu synchronisieren.

Können Palm Pre Nutzer nun ihre (gekaufte) Musik nicht mehr nutzen? Nö. Die können sie nun via drag und drop auf den Palm Pre kopieren.

Der einzige Lock-In der bezüglich aktuell gekaufter Music bei iTunes besteht, ist die Bequemlichkeit diese (und natürlich auch andere Music) mit einem iPod (und einigen wenigen alten Legacy-Playern) zu synchronisieren. D.h. man erstellt sich in iTunes Playlisten und nachdem man seinen iPod angestöpselt hat, werden Veränderungen in diesen Listen automatisch übertragen, ohne das man zusätzlich tun muß.

Ich finde das z.B. für Podcasts sehr bequem. Extrem bequem.

Und was ist, wenn man mit anderen Playern synchronisieren will? Das geht auch. Die Synchronisierung erfolgt zwar nicht durch iTunes selbst, aber iTunes stellt eine offizielle Schnittstelle bereit, mit deren Hilfe dritte Programme z.B. auf Basis von Playlisten die Music-Dateien auf einem unterstützen Player auf den gewünschten Stand bringen können. Man kann auf diesem Wege nur begrenzt Informationen zurück an iTunes übermitteln, aber für diejenigen, die ihre Musik mit iTunes verwalten wollen, besteht hier die Möglichkeit auch Drittgeräte synchronisieren zu lassen.

Und was ist nun das Besondere beim Palm Pre? Nunja, Palm hat hier auf die Erstellung/Lizensierung einer dritten Software verzichtet. Der Pre spricht die üblichen Drag+Drop+Protokolle und kann somit grundsätzlich mit Musik und anderen Dateien beladen werden.

Allerdings empfindet das nicht jeder als bequem und man hat bei Palm wohl vermutet, daß viele Pre Nutzer ihre Musik mit iTunes verwalten werden und deswegen wohl gedacht, daß eine Synchronisierung ein nettes Feature wäre. Man hat sogar groß im Marketing darauf verwiesen, daß man Musik via iTunes synchronisieren kann.

Nur hat Palm eben keine offizielle Schnittstelle verwendet, wie es die anderen Tools tun, die iTunes als Basis zur Synchronisierung verwenden. Stattdessen hat Palm das Wissen seiner Ingenieure genutzt und gaukelt iTunes vor, daß der Pre ein iPod sei. Das ist natürlich ein cleverer Hack. Aber da er offensichtlich nicht mit Apple koordiniert wurde, bestand von Anfang an die Gefahr, daß dieser Hack irgendwann nicht mehr funktionieren würde.

Das hat btw nicht zwangsläufig mit Böswilligkeit von Apple zu tun. Denn man muss auf der anderen Seite ja auch die berechtigte Frage stellen, warum jetzt bitte Apple dazu verpflichtet ist, eine private Schnittstelle aufrecht erhalten zu müssen, in die sich jemand ohne Absprache reingehackt hat?

Der große Vorteil von privaten Schnittstellen ist ja gerade, daß es hier keine Abwärts/Rückwärtskompatibilität geben muss. Man muß lediglich darauf achten, daß die eigene Hard- und Software an (unausweichliche) Änderungen angepaßt wird und das wars. Nach aussen ist das ja völlig egal wie sich das Protokoll im Detail geändert hat, solange es tut, was es soll.

Offizielle Schnittstellen haben hier nun mal das inheränte Problem, daß sie eben nicht nach Gusto geändert werden können. Der Vorteil der erweiterten Funktionalität kommt eben gleichzeitig mit dem Nachteil der Fußfessel. Den es gab bisher nur wenige APIs die wirklich auf lange Zeit unverändert brilliert haben. Und sobald eine API sich ändert, gibt es auch hier sehr starke Übergangsschmerzen.
(Firefox-Nutzer werden dies vermutlich nachvollziehen können, wenn sie Add-Ons nutzen.)

Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum Apple bereits jetzt den Hack kaputt gemacht hat, statt zu warten, bis die Kompatibilität durch eine natürliche Änderung des Protkolls zerstört wird. Gilt es doch zu vermeiden, daß auch andere Play-Anbieter auf diesen Zug aufspringen und sich ins Protokoll hacken.

Wenn das Interesse der Hardware-Industrie so groß ist, doch bitte mit iTunes synchronisieren zu können, wird sich Apple vielleicht mit Geld überreden lassen, eine entsprechende Schnittstelle einzubauen. Aber billige Floskeln ala “Die können doch froh sein, daß wir iTunes nutzen” helfen da nicht weiter.

Da Apple weder verhindert hat, daß Palm Pre Geräte sich am OS anmelden können, noch Palm dabei behindert ihre eigene Synchronisations-Software zu implementieren, sehe ich nicht das Problem, warum Apple hier zum Buhmann gemacht wird. Oder sind wir inzwischen soweit, daß Faulheit gefördert werden muss?

CoBi um 15:00 Uhr

04. Juli 2009

Nuklearer Fernreboot

Das AKW in meinem Bett Rechner:

“2009.07.04 12:03:30 Sys {380} Mutex “IsIdle” und “StopScript” erfolgreich initialisiert”

Gorch um 23:20 Uhr

27. Juni 2009

Feigenblätter
Unschuldsvermutung

Ich denke die letzten Tage haben gezeigt, daß es eine neues rhetorisches Mittel gibt, um jemanden öffentlich zu diffamieren.

Wo man bisher gern “mit Verlaub aber” eine Beleidigung einleitete, scheint es inzwischen opportun vor einenen abschließenden Schuldspruch ein “Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung” zu stellen.

Mein geliebtes Radio Eins hat heute btw auch die Glanzleistung vollbracht, mehr als 50% eines Interviews mit einem Thema zu verbringen, über das man ja gar nicht reden wolle. Und auch bei der anschließenden psychologischen Auswertung sollte es gar nicht um das böse Thema gehen, für das ja diese komische Unschuldsvermutung gilt.

Und in der Tat, die Auswertung beschäftigte sich dann mit der Frage, ob die Persönlichkeit der interviewten Person zu dem Bild paßt, welches man sich eigentlich auf Grund dieser Unschuldsvermutung ja gar nicht bilden sollte, aber es ist ja vielleicht doch also am Ende, und so.

Liebe Medien, bezüglich Eurer Intentionen verkeife ich mir mal jegliches Unschuldsvermutungsfeigenblatt und spekuliere offen drauf los: Entweder seit ihr zu dumm, oder ihr wißt ganz genau was ihr tut. Beides paßt nicht zum selbsterklärten Qualitätjournalismus.

CoBi um 02:42 Uhr

22. Juni 2009

Jedes normale Telefon schon seit Jahren …

Wo kommt eigentlich der Mythos her, daß das iPhone mit Copy + Paste erst jetzt ein Feature implementiert, welches angeblich jedes normale Telefon schon seit Jahren beherscht?

Was ist eigentlich ein normales Telefon? Also mein K750i kann jedenfalls nicht gemeint sein. Denn das konnte nur externes Copy + Paste. Oder sind wir schon so weit, daß wir einfach Smartphone rückwirkend für normal erklären? Also uns hinstellen und behaupten, daß wäre vor fünf Jahren normal gewesen?

Ich verstehe ja das Bedürfnis zu widersprechen. Aber man sollte Apple nicht falsches Marketing vorwerfen, wenn man es selbst mit den Fakten nicht so erst nimmt. Es mag in der Tat ein RDS geben. Nur fragt sich, wessen stärker ist.

CoBi um 14:31 Uhr

Na, wenn jemand antritt, die Welt der Smartphones zu revolutionieren, dann erwartet man eben etwas mehr als nur ganz OK.

Noch viel überraschter war ich ja darüber, dass man auf dem Iphone angeblich nicht mehrere Programme gleichzeitig offen haben kann.

· Gorch um 22:24 Uhr am 23.06.2009

Apples Revolutionsanspruch besteht in der Art und Weise, wie man Smartphones bedient und nicht darin, daß sie rein auf technischer Ebene irgendwelche Rekorde hinlegen wollen. Nicht ohne Grund verzichtet man darauf beim 3GS herauszustellen, welche MHz-Zahl genau der neue Prozessor hat, oder wie schnell der neue Speicher ist.

Zu dem “offen haben” ergeben sich jetzt zwei Antwort-Möglichkeiten.

1) Das Interface des iPhone ist so gestrickt, daß eine Applikation immer den gesamten Bildschirm belegt. Insoweit ist da in der Tat immer nur eine Applikation “offen” sichtbar und der Rest versteckt.

2) In der Tat können Dritt-Programme nicht im Hintergrund weiterlaufen, wenn man eine andere Applikation nutzen will. Aber das gilt eben nur für Dritt-Programme. Eine Menge von Apples eigenen Programmen laufen natürlich im Hintergrund weiter, denn sonst könnte man ja keine Musik hören, wenn man im Web surft, oder Mails empfangen, oder Anrufe annehmen.

1) und 2) sind bewußte Entscheidungen von Apple, deren Begründung man nachvollziehen kann, aber natürlich nicht muß. Wer Applikationen benötigt, die im Hintergrund weiterlaufen müssen, kommt eben nicht umhin sich ein anderes Smartphone zu wählen. Da gibt es ja mehr als genug Auswahl.

· CoBi um 22:40 Uhr am 23.06.2009

“Wer Applikationen benötigt, die im Hintergrund weiterlaufen müssen, kommt eben nicht umhin sich ein anderes Smartphone zu wählen. Da gibt es ja mehr als genug Auswahl.”

So ist das wohl. Dennoch wird es wohl gestattet sein, die Eigenschaften eines Produktes öffentlich zu bewerten.

Und noch wat zu den Vergleichsmaßstäben: Es ist m. E. durchaus sachgerecht, das Iphone mit anderen Smartphones zu vergleichen. Ein Defender muss sich auch eher selten an den Off-Road-Fähigkeiten des Twingo messen lassen.

· Gorch um 21:21 Uhr am 03.07.2009

Ehrlich gesagt ist mir unklar, worauf sich Dein Kommentar bezieht. Ich habe mich hier weder dagegen verwehrt, daß Du das iPhone bewertest, noch habe ich mir irgendwelche Vergleiche verbeten.

Ich habe im Posting darauf verwiesen, daß vermeintliche Features, die angeblich jedes andere Handy außer dem iPhone eben nicht jedes andere Handy außer dem iPhone kann.

Dann hast Du Deine Enttäuschung über die Imperfektion zum Ausdruck gebracht und etwas mit Unwissen kocketiert, welches ich frecherweise durch Aufklärung reduziert habe.

Offensichtlich habe ich mit da wohl ins Schwarze getroffen, als ich im Posting vom “Bedürfniss zu Widersprechen” schrieb.

· CoBi um 21:48 Uhr am 03.07.2009

“Offensichtlich habe ich mit da wohl ins Schwarze getroffen, als ich im Posting vom “Bedürfniss zu Widersprechen” schrieb.”

Klar, wäre das anders, hätte ich wohl auch meinen Beruf verfehlt. :-D

Aber wenn Dir stilles Kuscheln lieber ist, verzieh ich mich halt wieder.

· Gorch um 00:37 Uhr am 04.07.2009

Ja mei, egal was ich auch schreibe, Du wirst am Ende wieder besser wissen, was ich meinte, sagte, wollte. Vielleicht in der Tat eine Berufskrankheit.

· CoBi um 19:59 Uhr am 04.07.2009

08. Mai 2009

Revisionismus
Told You So

Beginnen wir mit einem Zitat aus einem Forum der rhetorischen Hochkultur:

Da haben die Fanboys ihren Salat. Wie war das noch? Auch wenn Macs verbreiteter sind bleiben sie uninteressant für Malwareentwickler?

Nein, so war das nicht. Das vermeintliche Argument der Fan-Boys war, daß es keine Malware auf dem Mac gibt, weil der Mac so sicher ist. Darauf wurde dann immer gekontert, daß der Mac ja gar nicht sicher sei und es nur keine Malware gibt, weil der Marktanteil so klein sei, daß sich keiner dafür interessiert.

(Das Mac-Nutzer überdurchschnittlich mehr Geld zur Verfügung haben um sich das Hobby Mac finanzieren zu können, scheint ja nie ein Anreiz für Malware zu sein)

Auch im Mac-Lager weiß man schon seit OS9-Zeiten, daß ein kleiner Marktanteil überhaupt kein Schutz vor Malware ist, denn damals gings richtig rund, bei einem Marktanteil in einem Bereich der zwar mehrstellig war, wobei sich das aber auf die Anzahl der Stellen hinter dem Komma mit der Null davor bezog.

Aber macht ruhig weiter liebe Microsoft Fanboys. Denn wenn ihr der Meinung seid, man könne ein System nicht Malware-frei reden, sollte ihr auch mal in Betracht ziehen, daß das auch fürs Gegentum gilt.

CoBi um 12:29 Uhr