Schwarze Schafe
Es gibt einen neuen Hirtenbrief von weiter oben. Soweit nichts Neues. Danach auch nichts.
Es gibt einen neuen Hirtenbrief von weiter oben. Soweit nichts Neues. Danach auch nichts.
Im US-amerikanischen Amazon-Store gabs am Wochenende eine nicht gerade kleinen Aufreger über das Verschwinden der Bücher des Macmillian Verlages. Hintergrund waren verschiedene Ansichten über die Zukunft der E-Books des Verlages und da Amazon wohl nicht mit den Vorstellungen von Macmillian über die zukünftige Vertragsgestaltung konform ging, hat man mal eben demonstriert daß man den Verlag ja jederzeit aus dem Katalog schmeißen kann. Und zwar nicht nur die E-Books, sondern auch das bedruckte Papier.
Es sollte offensichtlich sein, daß Amazon hier das Opferофис обзавеждане in dem ganzen Streit ist, oder?
Was ist nun eigentlich das Problem? Klassischer Buchhandel funktioniert über Zwischenhändler und Buchläden und der Verleger macht eigentlich nichts anderes als seine Bücher an den Zwischenhändler zu verkaufen, der verkauft das dann an die Läden und die Stellen das ins Regel zu einem Preis den sie für angemessen halten.
Macmillian kam nun auf die Idee – analog zu den Musikdownloads – nun für E-Book eine andere Variante zu wählen. Amazon wird zum reinen Auslieferer deklassiert, das quasi nur noch das E-Book präsentiert und den Verkauf abwickelt, aber keinen Einfluß mehr auf die Preisgestaltung hat. Macmillian legt den Preis fest und Amazon darf sich 30% des Erlöses behalten. Kennen wir ja so z.B. aus Apples App-Store.
Klar das da Amazon grundsätzlich nicht einverstanden ist, da sie die Kontrolle über den Preis verlieren und damit auch die Chance auf ein Monopol. Denn E-Books (zumindest von Macmillian) werden dann bei Amazon genauso teuer sein wie bei anderen Anbietern, z.B. Apple.
Und warum ist nun Amazon das Opfer? Zumindest in der Aufregung vieler Schnäpchenjäger? Weil der Verlag Amazon vorschreibt was ein Produkt zu kosten habe. Frechheit, bei Walmart schreibt ja auch kein Hersteller vor, zu welchem Preis ein Produkt im Regal steht. Und außerdem würden ja die Verlage ihren geforderten Preis pro E-Book bekommen, auch wenn Amazon es unter Preis abgibt!!!1
Nunja, es gibt da einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen physikalischen und virtuellen Gütern. Bei physikalischen Gütern, kann der Hersteller in bestimmtem Maße steuern, in welchen Umfang seine Waren in den Handel gelangen. Wenn er sieht das der Preis stimmt kann er davon auch profitieren, wenn er den Preis für die Zwischenhändler anhebt. Wenn das Produkt nicht geht, werden ihm die Zwischenhändler nur weitere Chargen abnehmen, wenn er mit dem Preis nach unten geht. Das reicht sich alles brav von oben nach unten durch. Und wenn da jemand die Preispolitik stört, wird er eben nicht mehr beliefert.
Bei virtuellen Gütern ergibt sich aber ein interessanter Umstand: Es gibt kein beschränktes Angebot mehr. Amazon braucht ja nur ein einziges Exemplar um das E-Book hundertfach zu verkaufen. Wenn Amazon da einen Superrabatt drauf packt, dann gilt der eben nicht mehr nur solange wie der Vorrat reicht, sondern solange wie Amazon der Meinung ist da einen Rabatt draufpacken zu wollen (und dabei vermutlich auch Verlust zu machen).
Aus Sicht des Verlegers mag das erstmal irrelevant sein, da er ja seinen geforderten Preis von Amazon bekommt und auch die Kunden haben da nicht so ein großes Problem mit. Allerdings nur kurzfristig. Denn was passiert denn, wenn Amazon dank unbeschränkter Verfügbarkeit beliebige Rabatte realisieren kann? Genau, die Konkurrenz kann da irgendwann nicht mitziehen, wenn sie nicht die selben tiefen Taschen hat um solche Rabatte gegenzufinanzieren. Es haben schon genug E-Book-Stores die Hufe hochgerissen.
Und das ist auch der Punkt an dem die Verlage wissen was ihnen droht. Nein, es ist nicht zu erwarten, daß Amazon nach Festigung des Monopols die Preise nach oben zieht und die Verbraucher melkt. So doof sind sie nicht. Aber wenn es gelungen ist einen großen Markt an Kindles zu etablieren, die ausschließlich über Amazon mit Material versorgt werden können, müßten die Verleger ab einem Punkt jegliche Konditionen von Amazon akzeptieren oder eben darauf verzichten. Und wenn Amazon die Endverbraucherpreise nicht anhebt, aber keinen Verlust mehr machen will, was wird dann wohl passieren? Die Verleger könnten heftige Abschläge hinnehmen.
Laut Gerüchten waren die Verleger schon lange mit dieser drohenden Situation nicht glücklich und haben jetzt mit Apple jemanden gefunden, der keine eigene Preisfindung betreiben, sondern einfach nur digitale Medien vertreiben will. Man sollte sich daran erinnern, daß am Ende auch die Musikindustrie variablere Preise durchgesetzt hat.
Achja, apropos Preisgestaltung: es wird ja jetzt gern darauf rumgeritten, daß Macmillian bis auf 16 USD pro E-Book verlangen will. Viele der künstlich Entrüsteten übersehen dabei, daß dies Obergrenzen sind und keineswegs die neuen Standardpreise für jedes Buch und das für immer. Wie auch bei anderen Medien auch, soll der Preis nach und nach dem Markt angepaßt werden. Schließlich sind neue DVDs in der ersten Woche auch teuerer, bevor sie ein Jahr später am Grabbeltisch zu finden sind. Und bei totem Holz nörgelt ja auch keiner (haha, doch genügend) daß das günstigere Paperback erst deutlich nach dem Hardcover verkauft wird.
Jedenfalls ist Amazon in diesem Streit kein Opfer. Ihnen stand es frei keine neuen Verträge mit Macmillain mehr einzugehen, wenn ihnen die Konditionen nicht zusagen. Aber mal eben auch den normalen Printbestand auszulisten setzt ein Zeichen, daß Amazon wohl mal lieber nicht gesetzt hätte. Sie mögen sehr groß sein, und es mag auch wehtun, wenn man dort nicht gelistet ist. Aber spätestens ab diesem Punkt schaut auch der Staat etwas genauer hin, ob diese Macht nicht mißbraucht wurde. Sieht so aus, als ob Amazon doch dämmert, daß sie sich da etwas dumm angestellt haben in dieser Sache.
Hui, da gehts mal wieder im Heise-Forum hoch her, nachdem der Vogel-Verlag von Vorwürfen schreibt die sich im Endeffekt darum drehen, daß auf den iPhone nicht alles möglich ist, was denkbar ist.
Wir ignorieren jetzt einfach mal den Teil wo Zeitungen – die sich selbst massiv dagegen werden Dinge nicht veröffentlichen zu müssen, die Ihren Ansichten widersprechen – sich künstlich aufregen und widmen uns der Frage, wer da eigentlich was kontrolliert.
Der Nutzer hat natürlich die Kontrolle über sein Gerät. Was sich u.a. darin äußert, daß er mittels Browser jede erdenkliche URL aufrufen kann, die es da draussen gibt. Einzige (durchaus schwerwiegende Einschränkung) ist der Umstand daß nicht alle Mittel dargestellt werden, die im Web so Einsatz finden. Z.B. Java- und Flash-Applets. Aber eine inhaltliche Kontrolle findet hier nicht statt. Wenn es da irgendwo iPhone-kompatiblen Porn gibt, dann kann ich den auch nutzen.
Das gilt übrigens auch für Informationen und so.
Worüber der Nutzer allerdings keine Kontrolle hat, ist welche Applikationen im AppStore auftauchen. Der steht voll und ganz unter Apples Kontrolle und Apple sieht sich hier auch in einer gewissen Verantwortung die Apple glaubt mit Beschränkungen bei den Angeboten begegnen zu müssen. Es gibt bei Apple gewisse “Werte”-Vorstellungen über die zulässigen Inhalte der Applikationen und diese Vorstellungen sind grob bekannt. (Das eine detailierte Liste die Situation nicht verbessern würde, sei an dieser Stelle nicht vertieft)
Als Entwickler weiß ich davon, daß ich nicht alles was mir einfällt so über den AppStore verbreiten kann. Da kann man auch nicht behaupten, daß es Entwickler gibt die das bisher nicht wußten, da ja vermutlich jede bisherige Ablehnung zum Staatsakt aufgeblasen wurde.
Es darf davon ausgegangen werden, daß viele Sachen die technisch und algorithmisch möglich wären nicht in Form von Apps über den AppStore heruntergeladen werden können. Und da es auch keinen anderen offiziellen Weg gibt Applikationen auf das iPhone zu laden, hat hier in der Tat Apple eine Kontrollfunktion.
Aber die beschränkt sich eben auf das Zugänglichmachen der Applikationen!
Wenn eine Applikation sich nicht benimmt, wird sie aus dem AppStore verbannt. Allerdings sind noch keine Fälle bekannt, in denen Apple auf dem Gerät diese Applikationen entfernt hätte. Was ausgeliefert wurde, wurde ausgeliefert und kann genutzt werden! Apple hat zwar grundsätzlich die Möglichkeit die Applikationen wegzuräumen (wie es wohl auch bei Android ist) hat aber eben bisher – trotz mehrere Anlässe – nicht davon gebrauch gemacht. Im Gegensatz zu Amazon, die ja mal eben auf dem Kindl “aufgeräumt” haben.
Kommen wir also zur Zensur zurück. Der Begriff taugt hier ja nun überhaupt nicht. Denn Apple ist in keinerlei Monopol-Situation, wo man den Leuten irgendwelche Informationen vorenthalten könnte. Oder eben Titten. Es gibt soviele Telefone da draussen, die auch noch alle immer soviel besser als das iPhone seien sollen. Wer sich also nicht “zensieren” lassen will, kann sich jederzeit eines dieser anderen Telefone mit offensichtlich freierer Programmeinspielung besorgen.
Und diejenigen die mit der Vormundschaft von Apple leben wollen, die nehmen halt weiter das iPhone.
Da mag jetzt gern der Vorwurf kommen, daß das ja eher eine Entmündigung statt einer Vormundschaft ist, aber das zieht dann doch nicht. Denn ich lasse mich ja auch nicht entmündigen, wenn ich zu einem Discounter meiner Wahl gehe und dort aber nicht jedes am Markt verfügbare Produkt erwerben kann. Oder das ich am Zeitungskiosk meiner Wahl nicht jederzeit das neue “Cumshot Deluxe” kaufen kann, weil der Besitzer die Ansicht vertritt, sowas nicht verkaufen zu wollen.
Der Erwerb eines iPhone oder iPod Touches ist jedenfalls nicht mit einem Knebelvertrag verbunden, seine Informationen und Applikationen zukünftig ausschließlich über diese Gerät zu beziehen.
Wobei, wenn es natürlich nach dem Willen einiger Verlage geht – um mal wieder zum Ausgangspunkt zurückzufinden – könnte es schon sein, daß man im iPhone-Universum zukünftig gewisse Informationen nur noch so abrufen darf, wie es den Verlagen in den Kram paßt. Das ist dann wohl Doppelmoral. Oder schlichtweg die Verblendunge, daß es bei den Verlagen ja nur ums Geld geht und damit Beschränkungen okay sind. Es kann sich ja jeder freikaufen.
Gibt es eigentlich schon eine Bezeichnung für ein Phänomen der jüngeren Zeit, welches sich darin äußert, daß jegliche Kritik an Apple bejubelt wird, egal wie unlogisch oder gar schwachsinnig sie ist? (Nein, Antifanboy ist nicht die Lösung).
Das es neben der zahlreichen berechtigten auch unberechtigte Kritik an Apple gibt, ist ja nicht das Problem. Das ist halt überall so. Aber warum finden ausgerechnet die Kritiken den meisten Zuspruch, die am weitesten weg von der Realität sind?
Vermutlich ist das schon die Antwort auf die Frage, denn Vereinfachungen und Verfälschungen machen das Verständnis leichter, wohingegen die nackte Wahrheit doch etwas komplizierter ist und man da eventuell mitdenken müßte, bevor man “Apple doof” schreit.
Nehmen wir mal als Fallbeispiel einen Beitrag aus der letzten Trackback-Sendung (MP3) von Radio Fritz:
Chris Guse erklärt (inspiriert durch Jason Calacanis, dt. Zusammenfassung), warum Apple ein Monopol hat, weiß aber auch nicht, warum niemand was macht
Okay, ich könnte das Posting jetzt an dieser Stelle mit “weil Monopole weder illegal noch immanent böse sind” das Posting beenden. Aber dann verpassen wir eine total absurde Schlußfolgerung über die soziale Marktwirtschaft.
Fangen wir mal direkt mit dem Aufsager zum Beitrag an:
Es ist eine Firma die Dinge herstellt die viele Leute benutzen, die dafür sorgt dass die Konkurrenz möglichst keine Sonne sieht und die dazu auch gern Mittel benutzt die anderswo das Kartellamt auf den Plan gerufen hätte. Nein, ich rede gerade nicht von Microsoft, ich rede von Apple. So siehts auch ein Blogger namens Jason Calacanis, der hat letzte Woche einen Artikel geschrieben wo’s genau darum geht. Der sagt “Apple könnte das nächste Microsoft sein, vielleicht sogar noch schlimmer”. Wieso? Weil Apple halt mittlerweile wie Microsoft seine monopolartige Stellung im Markt halt auch mal ausnutzt. Ob das wirklich so ist, hat sich Chris Guse mal genauer angeschaut.
Na das ist doch mal ein Einstieg nach Maß. Viel Anklage, viel Spannung. Ich lasse jetzt aber mal gleich die Luft raus, denn wer jetzt erwartet, daß im folgenden Beitrag die Mittel genannt werden, mit denen es Apple der Konkurrenz schwer macht, der wird enttäuscht. Da kommt nix. Außer unsinnige Schlußfolgerungen über die soziale Marktwirtschaft.
Wobei der Beitrag selbst gleich im ersten Satz nochmal so tut, als ob er sich damit beschäftigen würde:
Microsoft oder Apple, Fenster oder Apfel, wer übt wie sein Monopol aus?
Aber das ist nur eine Scheinfrage, denn jetzt gehts erstmal um die Frage was Monopole sind (und es kommt auch gleich die hahnebüchene Schlußfolgerung zur sozialen Marktwirtschaft) und darüber wird völlig vergessen, daß man ja eine Frage zur Monopolausübung gestellt hat.
Dazu müssen wir erstmal klären was überhaupt ein Monopol ist. Zufällig ist heute Samstag und zufällig ist da immer der verrückte Fritz-Professor im Haus. Herr Professor, was bedeutet Monopol?
Ja also, Monopol. μόνος πωλεῖν. Alleine verkaufen. Altgriechisch. Beschreibt ein System der Ökonomie in der Wirtschaft eine Situation in der es nur einen einzigen Anbieter gibt! Im Falle von Microsoft oder von Apple spricht man von allerdings von einem Quasimonopol, weil es ja noch andere Konkurrenten gibt deren Marktanteile aber so gering sind, daß der Marktführer quasi wie ein Monopolist agieren kann!
Ja und was ist so schlimm daran?
Das lieber Freund, hmm, ist dann keine soziale Marktwirtschaft mehr!
WIE BITTE?
Soziale Marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, daß es keine Monopole gibt? Also da hat jemand weder verstanden was Monopole sind, noch was soziale Marktwirtschaft sein soll. (Okay, letzteres ist kein echter Makel, da das ja nicht mal mehr die Politik auf die Reihe bekommt).
Oder bin ich hier gerade auf Ironie reingefallen? Schließlich stammt die Aussage ja vom verrückten Fritz-Professor. Insoweit wäre es ja nur folgerichtig, wenn dessen Antworten selbst verrückt wären.
Au, okay. Dann schauen wir mal, welche Bedeutung beide Konzerne am Markt haben. Microsoft hat im vergangenen Jahr rund 60 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Apple immerhin die Hälfte davon, ca. 32 Milliarden Dollar. Das zeigt die Marktpower. Damit kann man die ein oder andere Plakatwerbung machen.
Rund 92% aller Rechner mit denen das Internet besurft wird, sind mit einem Windowsbetriebssystem ausgestattet. Ähnlich ist Apples Anteil am MP3-Player-Markt mit den iPod und im Musikdownloadgeschäft mit der Plattform iTunes. Zumindest in den USA und die machen ja alles immer zuerst.
Au, okay. Also wir vergleichen hier mal eben den weltweiten Bestand an Surfrechnern, mit US-only MP3-Player-Anteilen. Und weil der Beitrag das selber weiß, schiebt man schnell noch ein Feigenblatt nach, daß das im Rest der Welt ja auch bald so seien wird. Das das die Prämisse in Frage stellt, scheint egal. Aber egal, da wir ja schon deklariert haben, daß Monopole nicht gut für die soziale Marktwirtschaft sind, genügt es ja einfach irgendwie Monopole zu finden.
Und was soll das Ganze jetzt mit den Zahlen?
Gute Frage. Offensichtlich ist den Machern selbst aufgefallen, daß man daraus alles Mögliche ableiten kann, aber eben nicht zwangsläufig daß Apple schlimmer als Microsoft ist.
Nunja, ist Apple das neue Microsoft? 2004 und nochmal 2006 verurteilte der Europäische Gerichtshof Microsoft zu Strafzahlungen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro weil Microsoft unter anderem einen Browser und einen Mediaplayer mit seinem Betriebssystem auslieferte.
Ist doch nett, wie hier der Eindruck erweckt wird, daß Microsoft viel Geld zahlen mußte, und das nur, weil man “unter anderem” einen Browser und einem Mediaplayer beigelegt hat. Das es bei diesem beiden Punkten um die Frage ging, ob Microsoft Druck auf die Händler ausgeübt hat keine anderen Browser und Mediaplayer mehr vorzuinstallieren, ist ja nicht weiter wichtig. Denn das würde ja nur aufzeigen, was genau das Problem bei marktbeherschenden Stellungen ist. Nämlich die Ausnutzung derselbigen.
Ich unterbreche jetzt einfach mal mit Fakten: Monopole sind legal! Es gibt davon Hunderte, wenn nicht sogar Tausende. Und die gabs auch schon, als die soziale Marktwirtschaft diesem Namen noch am gerechtesten wurde und die soziale Marktwirtschaft wurde auch nicht durch Monopole ihres Adjektivs beraubt! (Aber das ist eine andere Geschichte).
Monopole sind erst dann ein Problem, wenn sie dazu genutzt werden um Dinge durchzudrücken. Z.B. um PC-Schraubern bestimmte Konditionen zu verweigern, nur weil sie alternative Browser vorinstallieren.
2009 Apple hat gerade mit dem iPhone gezeigt, daß es genauso wie Microsoft versucht mit einem geschlossenen System den Markt zu bestimmen. D.h. du benutzt nur diesen Browser, du lädst nur hier deine Musik herunter, du benutzt nur diesen Anbieter um zu telefonieren.
Uiuiui, das wird ja gleich alles Mögliche in einen Topf geworfen und weiterhin nicht auf die Frage eingegangen wie Apple nun genau sein Monopol nutzt.
Fangen wir mal im ersten Satz an. Apple versucht also mit einem geschlossenen System den Markt zu bestimmen. (Das “wie Microsoft” betrachte ich mal als unglückliche Formulierung, da es ja überhaupt keinen Sinn machen würde, von Windows als geschlossenem System auszugehen).
Soso, Apple bringt also ein geschlossenes System auf den Markt. Wo man auf Freigaben durch den Hersteller angewiesen ist.
1) Das das System geschlossen ist, war vorher bekannt.
2) Geschlossene Systeme sind etwas völlig Normales am Markt. Z.B. bei Spielekonsolen seit Jahrzehnten praktiziert. Zumindest Nintendo hat volle Kontrolle welche Titel auf ihren Konsolen gespielt werden können. Und es scheint weder Konsumenten noch Marktkontrolleure zu stören.
3) Wo genau kommt hier eigentlich das Monopol ins Spiel? Microsoft wurde verurteilt, weil es mit Hilfe seines Monopols agierte. Aber welches Monopol hat jetzt Apple eigentlich genau genutzt um den Nutzern vorzuschreiben welche Browser sie nutzen, wo sie Musik runterladen?
4) Nur der Vollständigkeit halber: als Besitzer eines iPod oder iPhones kann ich auch andere Musikangebote nutzen um die Player zu bestücken. Ich kann zwar nicht jedes Format abspielen, aber ich muß auch kein einziges Musikstück aus dem iTunes Store kaufen, wenn ich Musik auf einem i-Gerät hören will.
Ja, Apple hat die totale Kontrolle über Software auf iPhone + iPod Touch. Aber das ist deswegen ja kein Monopol. Denn auf die eigenen Produkte hat ein Hersteller immer ein Monopol und sehr oft auch die totale Kontrolle. Das es viele Leute gibt, denen Letzteres nicht gefällt, ist für mich mehr als verständlich. Aber dieser Frust macht Apple nicht zum Monopolisten, denn es gibt ja eben noch andere Geräte am Markt zu kaufen. Oder welche Aktionen genau unternimmt Apple um dafür zu sorgen, daß kein anderer Hersteller mehr Smartphones und tragbare Musikspieler anbietet? Da kann man doch jetzt (analog zu Google) nur noch mit “naja, die haben halt das beste Produkt” antworten. Aber ein verdammt gutes Produkt zu haben, kann doch bitte kein Vorwurf sein, der dann darin gipfelt, daß man inzwischen schlimmer als Microsoft sei.
Und nein, wieso genau man schlimmer ist, wird auch der Beitrag nicht mehr erwähnen. Das erwähnt ja sowieso niemand. Das wird immer nur überall wiederholt wie ein Mantra in der Hoffnung, dass die Leute es wohl über die Zeit glauben und sich niemand mehr für Argumente interessiert.
Aber weiter im Beitrag:
Relevant wird das Ganze einfach sehr, sehr bald wenn alle Medieninhalte zusammenfallen und man alles über ein Gerät kaufen kann. Und Apple hat da schon eine Idee:
iTable. Computer und immer und überall direkt verbunden mit dem AppStore
Wie, das wars jetzt? Apple ist also jetzt schon schlimmer als Microsoft, weil man irgendwann mal alle Medien über ein Gerät kaufen könnte? Und als weiteres Argument denken wir uns dann noch irgendwas aus? Und wo ist eigentlich das Problem an der Existenz eines Gerätes, über das ich eine Vielzahl von Medieninhalten kaufen kann? Untersagt Apple Medieninhalteanbietern die Verbreitung auf anderen Wegen? Behindert Apple Nutzer daran sich auf anderen Wegen mit Inhalten zu versorgen?
Ja, man kann nicht jedes Programm das man möchte auf einem iPod Touch oder iPhone laufen lassen. Aber das ist ja vorher bekannt gewesen. Vor allem bevor iPhones oder iPod Touche irgendein Monopol dargestellt hätten. (Hier stellt sich in der Tat die Frage, wie die Welt ausgesehen hätte, wenn der AppStore erst zu einem Zeitpunkt gekommen wäre, an dem es ein tatsächliches Monopol für beide Geräteklassen gegeben hätte.) Vielmehr ist es ja gerade so, daß der AppStore mit dazu geführt hat, daß iPod Touch und iPhone so beliebt sind.
Wo bleibt eigentlich die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, wer wie sein Monopol ausübt? Davon konnte man nur ein verzerrtes Einsprengsel über Microsoft hören und bei Apple fehlt das wie immer noch völlig.
Was sagt eigentlich die Generation Hipp und Hype dazu? Hier Cafe Berlin Mitte.
Befragter 1 ) Also ich benutze Apple, weil ich kenne mich mit Computern nicht gut aus und bei Apple ist alles ganz einfach. Und das find ich toll.
Welches Gefühl hast Du Microsoft hörst?
Ähm da möcht ich sofort in ein’ Apple-Laden.
Findest Du Apple ist ein cooler Konzern?
Befragter 2) Auf jeden Fall haben die ein sehr cooles Image. Alle finden Apple toll. Niemand haßt Apple. Ich fange jetzt absofort damit an Apple zu hassen. Und ich bin der Erste der Apple haßt.
Hmm, ja, ähm. Was auch immer. Bezüglich Apples bösen Praktiken sind wir da jetzt auch nicht schlauer geworden. Vielleicht hilft uns ja der Absager etwas weiter:
Ja da ist er, wie es wohl jetzt gerade aussieht nicht mehr der Einzige. Und es wird wahrscheinlich in nächster Zeit auch ein paar Leute mehr geben, die das nicht nur aus purem Image tun. Der Unmut gegenüber Apple schwillt im Netz weil Apple ja z.B. sein iPhone nicht allen Applikationen öffnet, und man halt auch nur über einen Anbieter telefonieren kann. In Deutschland die Telekom.
Ah, endlich mal etwas Realitätsbezug, denn der Satz mit dem Unmut ist richtig. Ja, es gibt viele Nutzer die gern eine weniger restriktive Politik von Apple sehen würden. Ja, man würde das iPhone gern bei jedem Provider benutzten dürfen. Aber ist das nun ein Beleg dafür, daß Apple schlimmer als Microsoft ist? Ist das irgendwie Mißbrauch eines Monopols? Denn bei Geräten mit Anwendungsausführungsmöglichkeiten hat Apple definitiv kein Monopol!
Die Frage ist jetzt, wann sich eigentlich die EU-Kommission mit Apple beschäftigen wird, oder warum sie das nicht tut.
Ist das wirklich noch eine Frage? Der Beitrag selber hat es ja nicht geschafft aufzuzeigen, an welcher Stelle Apple irgendein Monopol irgendwie mißbraucht. Nichtmal durch das wilde Durcheinanderwürfel von Fakten und Behauptungen von Zusammenhängen wo keine sind.
Ich finde solche Beiträge immer schade, da sie sich an Scheinproblemen abarbeiten, statt die Sachverhalte aufzugreifen, die wirklich problematisch sind. Ich hoffe mal, daß das nicht an Rechercheunwilligkeit oder Angst vorm Erkläraufwand liegt.
Angesichts der leidenschaftlich geführten Debatte, die sich mal wieder mehr darauf konzentriert, was man glaubt was abgeht, als sich damit zu beschäftigen, wie die Fakten wirklich aussen, komme ich nicht umhin mal etwas Informationen in den Raum zu streuen.
Das werden die Leute die sich über Apple aufregen wollen zwar mal wieder ignorieren, aber schaden kann es ja trotzdem nicht.
Erstmal ein paar Fakten ohne Anspruch auf Gewichtung oder Vollständigkeit:
Apple hat nichts weiter getan, als Palm Pres (die sich btw gegenüber iTunes als iPods ausgegeben haben) nicht mehr als iPods zu behandeln und aus diesem Grunde auch nicht mehr mit ihnen Music zu synchronisieren.
Können Palm Pre Nutzer nun ihre (gekaufte) Musik nicht mehr nutzen? Nö. Die können sie nun via drag und drop auf den Palm Pre kopieren.
Der einzige Lock-In der bezüglich aktuell gekaufter Music bei iTunes besteht, ist die Bequemlichkeit diese (und natürlich auch andere Music) mit einem iPod (und einigen wenigen alten Legacy-Playern) zu synchronisieren. D.h. man erstellt sich in iTunes Playlisten und nachdem man seinen iPod angestöpselt hat, werden Veränderungen in diesen Listen automatisch übertragen, ohne das man zusätzlich tun muß.
Ich finde das z.B. für Podcasts sehr bequem. Extrem bequem.
Und was ist, wenn man mit anderen Playern synchronisieren will? Das geht auch. Die Synchronisierung erfolgt zwar nicht durch iTunes selbst, aber iTunes stellt eine offizielle Schnittstelle bereit, mit deren Hilfe dritte Programme z.B. auf Basis von Playlisten die Music-Dateien auf einem unterstützen Player auf den gewünschten Stand bringen können. Man kann auf diesem Wege nur begrenzt Informationen zurück an iTunes übermitteln, aber für diejenigen, die ihre Musik mit iTunes verwalten wollen, besteht hier die Möglichkeit auch Drittgeräte synchronisieren zu lassen.
Und was ist nun das Besondere beim Palm Pre? Nunja, Palm hat hier auf die Erstellung/Lizensierung einer dritten Software verzichtet. Der Pre spricht die üblichen Drag+Drop+Protokolle und kann somit grundsätzlich mit Musik und anderen Dateien beladen werden.
Allerdings empfindet das nicht jeder als bequem und man hat bei Palm wohl vermutet, daß viele Pre Nutzer ihre Musik mit iTunes verwalten werden und deswegen wohl gedacht, daß eine Synchronisierung ein nettes Feature wäre. Man hat sogar groß im Marketing darauf verwiesen, daß man Musik via iTunes synchronisieren kann.
Nur hat Palm eben keine offizielle Schnittstelle verwendet, wie es die anderen Tools tun, die iTunes als Basis zur Synchronisierung verwenden. Stattdessen hat Palm das Wissen seiner Ingenieure genutzt und gaukelt iTunes vor, daß der Pre ein iPod sei. Das ist natürlich ein cleverer Hack. Aber da er offensichtlich nicht mit Apple koordiniert wurde, bestand von Anfang an die Gefahr, daß dieser Hack irgendwann nicht mehr funktionieren würde.
Das hat btw nicht zwangsläufig mit Böswilligkeit von Apple zu tun. Denn man muss auf der anderen Seite ja auch die berechtigte Frage stellen, warum jetzt bitte Apple dazu verpflichtet ist, eine private Schnittstelle aufrecht erhalten zu müssen, in die sich jemand ohne Absprache reingehackt hat?
Der große Vorteil von privaten Schnittstellen ist ja gerade, daß es hier keine Abwärts/Rückwärtskompatibilität geben muss. Man muß lediglich darauf achten, daß die eigene Hard- und Software an (unausweichliche) Änderungen angepaßt wird und das wars. Nach aussen ist das ja völlig egal wie sich das Protokoll im Detail geändert hat, solange es tut, was es soll.
Offizielle Schnittstellen haben hier nun mal das inheränte Problem, daß sie eben nicht nach Gusto geändert werden können. Der Vorteil der erweiterten Funktionalität kommt eben gleichzeitig mit dem Nachteil der Fußfessel. Den es gab bisher nur wenige APIs die wirklich auf lange Zeit unverändert brilliert haben. Und sobald eine API sich ändert, gibt es auch hier sehr starke Übergangsschmerzen.
(Firefox-Nutzer werden dies vermutlich nachvollziehen können, wenn sie Add-Ons nutzen.)
Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum Apple bereits jetzt den Hack kaputt gemacht hat, statt zu warten, bis die Kompatibilität durch eine natürliche Änderung des Protkolls zerstört wird. Gilt es doch zu vermeiden, daß auch andere Play-Anbieter auf diesen Zug aufspringen und sich ins Protokoll hacken.
Wenn das Interesse der Hardware-Industrie so groß ist, doch bitte mit iTunes synchronisieren zu können, wird sich Apple vielleicht mit Geld überreden lassen, eine entsprechende Schnittstelle einzubauen. Aber billige Floskeln ala “Die können doch froh sein, daß wir iTunes nutzen” helfen da nicht weiter.
Da Apple weder verhindert hat, daß Palm Pre Geräte sich am OS anmelden können, noch Palm dabei behindert ihre eigene Synchronisations-Software zu implementieren, sehe ich nicht das Problem, warum Apple hier zum Buhmann gemacht wird. Oder sind wir inzwischen soweit, daß Faulheit gefördert werden muss?
Das AKW in meinem Bett Rechner:
“2009.07.04 12:03:30 Sys {380} Mutex “IsIdle” und “StopScript” erfolgreich initialisiert”